Vanlife im Berliner Großstadtdschungel

Vor über einer Woche haben wir nun schon unsere Wohnung übergeben und sind in unseren Chevy Van Emil eingezogen. Während wir auf unserem Termin beim TÜV warten, um eine Wohnmobilzulassung zu bekommen, stellt sich ein seltsames Gefühl ein. Nicht mehr ganz da und noch nicht ganz weg. Wir empfinden es als Fluch und Segen zugleich. Wir haben Hummeln im Hintern, und die Möglichkeiten für unsere Reise scheinen schier endlos. Gleichzeitig wissen wir es zu schätzen, dass wir noch in unserer gewohnten Umgebung sind. So haben wir Gelegenheit in unserem rollenden Tiny House anzukommen, ohne uns darum zu sorgen, wo wir duschen, Wasser auffüllen oder Strom zapfen können.


Der Umzug war eine Herausforderung. Obwohl wir viele unserer Besitztümer verkauft, verschenkt oder gespendet haben, fand sich doch immer wieder irgendetwas. Wie minimalistisch wir nun wirklich unterwegs sind, kannst du bald auf unserem Blog lesen. Eines aber schon vorab: Emil hat unter der Last der restlichen Weinkisten von unserer Hochzeit geächzt und mit unseren Decken und Kissen hätten wir eine Großfamilie ausstatten können. Kurzerhand haben wir also noch einmal reduziert und den Wein im ganzen Bus verteilt. Man muss Prioritäten setzen... finden wir. Und Kälte lässt sich durchaus mit einem guten Wein erträglicher machen.  

Das Leben im Bus eröffnet eine ganz neue Perspektive auf die Stadt. Eine Wohnung bietet einen Rückzugsort. Ein eigenes Reich, in dem man weitestgehend von der Außenwelt abgeschottet ist. Und vor allem ein Bad. Im Bus ist das schon etwas anderes. Wir können zwar die Türen schließen, um etwas Privatsphäre zu haben und dennoch fühlen wir uns verletzlicher.

So suchen wir uns also die Natur mitten in der Stadt und sind damit bisher recht erfolgreich. Außerdem können wir hier in Berlin unseren Heimvorteil voll ausspielen. Fast etwas mitleidig erreichen uns die Dusch- und Übernachtungsangebote unserer Freunde. Und so gestaltet sich das erste Kapitel unserer Reise quasi luxuriös… ein sanfter Start in diesen neuen Lebensabschnitt.

Neben dem Wunsch, Europa zu erkunden und dabei neue Kulturen und Menschen kennen zu lernen, treibt uns auch die Frage herum, was wir wirklich für ein erfülltes Leben brauchen. Schon in den ersten Tagen finden wir erste Antworten. Eine Rückzugsmöglichkeit, gelegentlich eine Dusche, gute Freunde.

Jeden Tag schlafen wir woanders, auch in der Stadt. Wir wollen vermeiden, aufzufallen und nachts aus dem Schlaf gerissen zu werden. Ob Park, See und oder Spree, wir verhalten uns unauffällig und trotzdem ohne uns zu verstecken. Der Begriff Luxus bekommt neue Bedeutungen: der kühle Wind, der uns abends um die Nase weht, während wir mit geöffneten Hecktüren auf den Fluss schauen; frühstücken in Gesellschaft von Eichhörnchen, Vögeln und Fischreihern und ganz oben auf der Liste unser neuer festinstallierter Gaskocher. Auch unsere Solarzelle macht sich bezahlt.

Während wir mit einem Fuß noch im Berliner Alltag stehen und mit einem schon die neuen Gewässer testen, stellen sich neben einer gewissen Angst, einem Gefühl der Verletzlichkeit und der Ungewissheit über die Zukunft, vor allem zwei Gefühle ein: Freiheit und Lebendigkeit. Es ist aufregend an einem Punkt im Leben zu stehen, an dem alles offen zu sein scheint. Es ist aufregend, mit so wenig zurecht zukommen und alles immer auf vier Rädern dabei zu haben. Und es ist aufregend zu zweit dieses Abenteuer und den Platz der uns zur Verfügung steht, zu teilen.

Wir grooven uns ein. Jeden Tag sitzen die Handgriffe ein wenig besser und die Dinge finden nach und nach ihren Platz. Stefan führt Liste über sämtliche Hacks und Verbesserungen, die er vornehmen will, während ich dafür sorge, dass unser rollendes Zuhause gemütlich und wohnlich bleibt. Desto kleiner das Nest, desto schneller stellt sich Chaos ein. Zu unserem Glück ist es allerdings ebenso schnell wieder beseitigt. Und ein Nest ist es definitiv. Wenn die Sitzbank aufgebaut ist, haben wir eine Bodenfläche von ca 1,5x1,5 m².


Überraschenderweise haue ich mir häufiger den Kopf an als Stefan, der mich mit seinen 1,91 m ein ganzes Stück überragt. Doch trotz Beulen und wunden Knien, vom hin und her rutschen auf dem Teppich, würde ich den Bus und dieses Abenteuer um nichts in der Welt eintauschen.

Wir können es kaum erwarten, bis es nächste Woche richtig los geht und freuen uns, wenn du uns begleitest, deine Gedanken und Tipps mit uns teilst oder Fragen an uns hast. In Zukunft hätten wir Lust auf unserem YouTube Kanal regelmäßige Q&A Videos zu machen. Wir wollen ehrlich über die Herausforderungen sprechen, die dieser Lifestyle mit sich bringt und auch über alles, was ihn so lohnenswert macht.

Josefine ♥



Fotos © Stefan Weichand

Was dich auch interessieren könnte:

Unser Chevy Van Emil - ein kleiner Einblick in unser rollendes Zuhause

Lust uns kennenzulernen? Hier geht’s zu unserem ersten Video

Über die Kunst ins kalte Wasser zu springen