Oster-Campen oder "Go with the Schorle"

Über Ostern waren wir dieses Jahr campen. Als einer der Trauzeugen von Stefan, hatte mein Bruder die Idee, einen gemeinsamen Abschied zu feiern. Wie alles andere an unserer Hochzeit auch, waren wir auch diesmal mehr als bereit auf Konformität zu verzichten. Schnell hat sich eine kleine Gruppe zusammen gefunden, neben Stefan, Consi und mir, waren mein Cousin Niklas und seine Freundin Selina und meine Seelengefährtin und Trauzeugin Mari dabei. Das Ziel unsere Wahl war das Elbsandsteingebirge. Meine Oma ist in Radebeul bei Dresden aufgewachsen und hat es sich nicht nehmen lassen, uns gleich mit Wanderkarte und Route zu versorgen. Die Route haben wir zwar trotz mehrerer Anläufe nicht geschafft, die Alternativen waren aber sicherlich nicht weniger schön. Der Campingplatz in der Nähe von Hohnsburg hat uns mit einem grünen Plätzchen inmitten von Feldern und Wäldern erwartet. Diesmal mit dem Zelt unterwegs, hat das Herz fast ein wenig geblutet, als wir all die Camper mit ihren Vans gesehen haben. Der Osterkorb, den meine Mama uns eingepackt hat, hat jedoch schnell darüber hinweg getröstet und alle begeistert. Drei Tage lang haben wir geschlemmt wie die Königinnen und Könige. Auf die Gefahr hin, dass dir beim Lesen das Wasser im Mund zusammen läuft, hier ein kleiner Einblick in die lange Liste der Köstlichkeiten:

  • Frischer Käse 

  • Selbstgebackenes Brot 

  • Orangenkuchen und Nusszopf

  • Veganer Räucherlachs aus Karotten, vegane Mayo, vegane Leberwurst (sprich: Lewwawoaschd), veganes Mett - alles selbstgemacht, versteht sich

  • Gürkchen

  • Sardinen und Sardellen 

  • Salzmandeln

Von unserem Zeltlager aus konnten wir nachts den Vollmond über den Baumwipfeln aufgehen sehen. Die Wälder haben besonders bei Mari Schlumpfenland-Assoziationen hervor gerufen und schon bald haben wir alle kleine Schlumpfbauten, Schlumpftunnel und Schlumpfspuren entdeckt. Obwohl wir gefühlt alle 20 Minuten Picknick- oder Wegbier-Pausen eingelegt haben und bei der Versorgung vor allem die Schorlevorräte Priorität hatten, hat dieser Urlaub uns auf allen Ebenen erreicht, berührt und genährt.

Was für ein Luxus schon früh morgens in wenigen Schritten mitten im Wald zu stehen, in die Stille einzutauchen und die unendliche Kraft zu spüren, während die Vögel zwitschern und die Blätter sanft im Wind tanzen. Jeden Morgen ein frisches Croissant, der Kaffee schmeckt in der Natur mindestens doppelt so gut und das Porridge stärkt uns für den Tag. Ich glaube, wir alle spüren die Energie, die wir als Gemeinschaft entwickeln. Wir schwingen miteinander. Von tiefen Gesprächen über Spieleabende bis zum gemütlichen Lagerfeuer und kuscheligen Runden unter dem Sternenhimmel, war alles dabei.

Ich kann immer noch den sandigen Waldbodens unter meinen Füßen spüren, den intensiven Geruch von Tannennadeln, Baumrinde und Harz. Und immer noch fühle ich mich unendlich frei - on top of the world - und ein Kribbeln durchzieht meinen ganzen Körper, wenn ich mich daran erinnere, wie meine Füße hoch oben auf den Schrammsteinen über dem Abgrund baumelten, während Stefan mir schützend die Hand auf die Schulter legt. Wir sind lebendig. 

Wir baden in Eisbächen, wandern über Stock und Stein, sammeln kleine Waldschätze und Baumharz für die Hochzeit. Meine innere Waldfee kann sich vor Freude kaum halten. Barfuß, mit Stöckchen und Blumen im Haar und Harz auf Nase und Schultern badet sie in der Geborgenheit der Gemeinschaft, in der Natur, in Liebe und Freude. 

Einmal mehr wird uns bewusst, wie wichtig die Gemeinschaft ist und wie sehr uns das Zusammensein mit anderen Menschen dabei hilft, eigene Grenzen zu überwinden und das eigene Ego hinten anzustellen. Alle haben dieses Wochenende mit ihrer ganz eigenen Art, ihren Perspektiven und ihrer Energie unvergesslich gemacht. Hätte es ein Motto gegeben, wäre es wohl „Go with the Flow“ gewesen. Einige würden vielleicht argumentieren, es wäre eher „Go with the Schorle“ gewesen. Letztendlich sind wir sicher, dass die Offenheit und die Abwesenheit jeglicher Erwartungen dazu beigetragen hat, das wir garantiert noch lange von dieser Reise schwärmen werden.

Von ganzem Herzen möchten wir euch an dieser Stelle nochmal danken: Selina, Mari, Consi & Niklas - wir könnten uns keine schönere Familie vorstellen. Wir freuen uns auf die nächsten Abenteuer! 

Josefine & Stefan ♥

Fotos © Stefan Weichand