Potsdam oder wie wir unser Mojo wieder gefunden haben

Manchmal ist alles was wir brauchen, um unser Mojo wieder zu finden, einen Wochenendausflug mit Emil. Vor allem wollten wir unseren neuen Innenausbau testen und haben uns spontan entschieden, nach Potsdam zu fahren. Auf dem Weg aus Berlin raus, haben wir noch einen kurzen Zwischenstop beim Globetrotter gemacht. Das reinste Schlaraffenland, allzu leicht lassen wir uns verführen und glauben plötzlich, wir bräuchten alles. Wir müssen erst einmal tief Luft holen und uns wieder daran erinnern, dass unser Wunsch war, minimalistisch zu reisen. Es bleibt also beim Wasserkanister und der Gaskartusche. Auf dem Weg nach draußen, wird man freundlicherweise durch die großartige Buchabteilung geleitet. Unweigerlich schweift der Blick umher, bleibt immer wieder an einem der Reisebücher hängen. Der Schritt ist stramm, der Wille stark, aber das Universum hat andere Pläne. Etwas springt mir ins Auge, ein bisschen versteckt auf einer der unteren Stufen der riesigen treppenförmigen Bücherinseln. Ich ziehe das Buch raus: “Drive Your Adventure” verkündet der Titel. Darunter “Ein Roadtrip im Van quer durch Europa”. Während ich die erste Seite aufschlage, rufe ich Stefan noch über die Schulter zu, dass er auf mich warten soll. Der Klappentext überzeugt mich dann und lässt mich mit ebenso strammen Schrittes zurück zur Kasse marschieren. Eine Reise durch Frankreich, Irland, Schottland, England, Deutschland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Sechs Monate waren Elsa und Bertrand unterwegs. Nicht exakt die Route und die Reihenfolge, die wir im Kopf haben, aber fast.

Kaum auf der Straße schlage ich die erste Seite auf und fange an vorzulesen. Wir lieben vorlesen, oder besser, ich liebe vorlesen und Stefan liebt es, zuzuhören. Als wären wir füreinander gemacht. Aber weiter im Text: Das Buch was ich in den Händen halte ist, wie ein Portal in unsere Zukunft. Tatsächlich hat unsere Idee vor einigen Monaten ähnlich gestartet. Wir wollten einfach reisen, dabei Menschen porträtieren, unsere Liebe zum Essen integrieren, andere Länder und Kulturen erkunden und im Einklang mit der Natur leben. Diese Reise wollten wir unter unserem gemeinsamen Spruch “We Are Here We Are Now” dokumentieren. Über die Zeit hat der Alltag wieder Überhand genommen und die Idee ist in den Hintergrund gerutscht. Und genau jetzt und hier liegt sie auf meinem Schoß und schenkt uns Inspiration, Mut und Kraft. Als wir in Potsdam eintrudeln sind wir wie berauscht. Die Sonne scheint uns auf die nackten Arme, die Farben sind intensiv und das kühle Bier schmeckt fast zu gut. Potsdam ist zwar sehr touristisch, allerdings zu recht. Im Holländischen Viertel schlendern wir vorbei an Boutiquen in roten Backsteinhäusern. Die Parkanlagen, die zum Weltkulturerbe gehören, laden mit saftigen Wiesen, Osterglocken und schattenspendenden Baumgiganten zum Verweilen ein. Kurzfristig teilt Instagram uns mit, dass Freunde in einer Brauerei ganz in der Nähe sind und wir fahren hin. Spontan und mobil, wie wir sind. Stolz präsentieren wir ihnen Emil und fahren am späten Nachmittag Richtung Wannsee, um ein Plätzchen für die Nacht zu finden. Nicht so einfach, wie sich heraus stellt. Wir nutzen die App Park4Night und fahren kurzerhand auf einen Parkplatz, den wir schon im Winter getestet haben. 3 Minuten vom Wannsee entfernt, direkt am Rand eines kleinen Wäldchens. Den Abend lassen wir bei Rotwein und Pommes auf dem Steg ausklingen und träumen vom Leben im Bus. Am nächsten Tag fahren wir noch einmal nach Potsdam, bestaunen das Schloss Sanssouci, besonders die Neptun-Grotte im Lustgarten und finden zum Abschluss ein verstecktes Café in einem Innenhof im Holländischen Viertel.

Häufig ist ein Perspektivenwechsel alles was wir brauchen, um die Energie wieder fließen zu lassen. Das gilt natürlich nicht nur im Bezug auf Reisen, sondern auch auf alles andere im Leben. Wenn wir das Gefühl haben, festzustecken und nicht weiter zu kommen, lohnt es sich, mal Kopf zu stehen, die eigene Perspektive zu verändern oder eine andere Perspektive einzuholen. Wenn du etwas in dein Leben bringen willst, aber noch nicht die Ressourcen oder den Mut gefunden hast, dann fang klein an. Schaffe dir eine Mini-Version der Erfahrung, die du gerne machen möchtest. Wenn du davon träumst, langfristig in einem Van zu leben, dann leih dir einen für den Urlaub oder auch nur für ein paar Tage. Probier’s aus, du wirst überrascht sein, wie inspiriert und beflügelt du dich fühlen wirst. Wichtig ist nur auch nach deiner Inspiration zu handeln und die Energie zu nutzen, statt sie ungenutzt vorbei fließen zu lassen.

Josefine ♥

Fotos © Stefan Weichand