Zum Wohl die Pfalz!




Ruf nach Freiheit

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Wir sind unterwegs. Da mir mittlerweile fast schon ein wenig langweilig wird, zum x-ten Mal zu schreiben, dass wir nun schon über eine Woche an ein und demselben Ort waren, freue ich mich sehr. Denn die anfängliche Freude ist schnell einem beklemmten Gefühl gewichen. Unser rollendes Zuhause ist nicht zum langen Verweilen an einem Ort gemacht. Es fühlt sich nicht richtig an, wie ein zarter Schmetterling, den man einzusperren versucht. Er verliert schnell seine Schönheit, wenn er nicht leicht und frei von Blüte zu Blüte flattern kann. Dazu fällt mir eine Zeile aus dem Buch “Die Furcht des Weisen 2” ein, das ich gerade lese: “Vielleicht heißt Schönheit, sich wesensgemäß zu bewegen.” Der Satz ist mir hängen geblieben und es steckt für mich viel Wahres darin. Überhaupt finden sich in dem Buch viele Weisheiten, die sich auf das Leben übertragen lassen, auch wenn es sich um einen Fantasy-Roman handelt. 

Eigentlich wollten wir schon am Sonntag losfahren, doch die Post hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir warten auf eine neue SIM Karte für Stefan mit mehr Datenvolumen. Wer sich dafür interessiert, kann uns für nähere Infos gerne schreiben. Wir haben die Zeit genutzt, um ein paar Geheimtipps meiner Mama in der Pfalz auszuprobieren.

Pfalz, die Toskana Deutschlands

Nicht umsonst wird die Pfalz als die Toskana Deutschlands bezeichnet. Das Klima ist meist ein bisschen sonniger und freundlicher als anderswo in Deutschland. Weingärten, oder Wingerte, wie die Pfälzer sie nennen, über denen die Hitze flimmert, säumen die Straßen und erstrecken sich so weit das Auge reicht. Zypressen, kleine Weingüter, alte Fachwerkhäuser und beschauliche Dörfer sorgen für Urlaubsfeeling. Im Sommer gibt es jedes Wochenende ein anderes Weinfest und zur Erholung geht’s zum Wandern in den Pfälzer Wald.

Wir treffen uns mit unserer lieben Freundin Kathi in der Pfälzer Genuss Fraktion in Hainfeld. Es ist Selbstbedienung und hinter der Theke erwartet uns ein Pfälzer Original. Noch bevor wir dazu kommen, irgendwas zu sagen, fragt er, ob wir Rieslingschorle wollen. Eigentlich ist es keine Frage, sondern eine Feststellung und er sagt es auch mehr zu sich selbst, als zu uns. Wir können gar nicht anders, als zuzustimmen. Wenn es in der Pfalz so etwas wie ein Nationalgetränk gibt, dann ist es wohl die Rieslingschorle. Er gibt uns noch einige Informationen zum Essen, weist uns daraufhin, dass wir von der Tageskarte am Besten mit dem Smartphone ein Bild machen und schon sitzen wir unter einem ausladenden Walnussbaum neben Weinreben. 

Für mich gibt es Flammenkuchen, für Kathi und Stefan Bratwürste, einmal mit hausgemachtem Kartoffelsalat und einmal klassisch mit Sauerkraut und Brot. Die Pfälzer Genuss Fraktion gefällt uns, sie ist authentisch und gleichzeitig fast schon hip. Die Karte ist charmant auf pfälzisch geschrieben und der Inhaber wirkt, im positivsten Sinne, wie die Personifizierung dieser Karte. Wir genießen die gemeinsame Zeit, so häufig wie in den letzten Tagen, sehen wir uns selten. 

Zum Nachtisch gibt es einen echten Herxheimer Schokokuss. Die haben bei Stefan und mir Geschichte. Ganz zu Anfang unserer Beziehung hat sich Stefan einen Spaß daraus gemacht, einen in meinem Gesicht zu verteilen. Die Herxheimer Schokoküsse sind anders, als die, die man auf einem Jahrmarkt oder in der Packung kauft. Die Schokoladenglasur ist dicker und knackiger, die Füllung süß und klebrig. In Dänemark hat sich mir letzten Sommer eine einzigartige Gelegenheit geboten, die Stefan nicht hat kommen sehen. An unserer Hochzeit hat Stefan die Chance nicht verstreichen lassen und mir unsere Hochzeitstorte ins Gesicht geschmiert. Gut, dass ich auch ein Stück in der Hand hatte, ich habe nicht lange gezögert. Diesmal haben wir schon vorab einen Pakt geschlossen. 

Eisige Walddusche in Gleisweiler

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Die Nacht verbringen wir in Gleisweiler, wo unterhalb des Eichhörnchen Wanderwegs ein terrassenförmiger Parkplatz inmitten der Weinberge angelegt ist. Von dort haben wir einen tollen Ausblick, während hinter uns der Pfälzer Wald aufragt. Aus unserem “Schlafzimmerfenster” sehen wir den Mond und wir freuen uns über die kühle Luft. 

Morgens wandern wir zur einzigen Walddusche Deutschlands im Hainbachtal. 1848 wurde sie von dem Arzt Dr. Ludwig Schneider erbaut. Zuvor hatte er in Gleisweiler eine “Kaltwasser-Heilanstalt” gegründet, die heute noch als “Privatklinik Bad Gleisweiler” existiert. Patienten wurden bis 1878 für die Anwendungen “Douche”, “Sturzbad” und “Wellenbad” zur Walddusche kutschiert. Für den Rückweg empfahl der Arzt einen Spaziergang, um den Körper aufzuwärmen. Nach seinem Tod geriet die Dusche in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und für die allgemeine Nutzung hergerichtet. Die Wassertemperatur schwankt zwischen acht und zwölf Grad Celsius und ist gefühlt noch viel kälter. Aber spätestens nach Wim Hof, besser bekannt als The Ice Man, wissen wir, wie gesund das Eisbaden oder -duschen ist. Wichtig ist dabei, die richtige Atmung, um den Körper vorzubereiten und einen Schock zu vermeiden. Wir duschen neben einer Gruppe von Kindergartenkindern, die uns mit großen Augen beobachten und dabei quietschen, als würden sie selbst unter dem eisigen Wasserstrahl stehen. Wir fühlen uns lebendig und erfrischt. So kann der Tag starten!


Geheimtipp zum Seele baumeln lassen

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Bevor wir ins Baltikum aufbrechen, fahren wir noch nach Wachenburg. Wir folgen wieder einem Tipp meiner Mama zur Gärtnerei mit Café-Betrieb von Iris Diehl. Bei schlechtem Wetter wäre das kleine Café wohl etwas beengend, doch die Sonne scheint bei angenehmen 23 Grad und der liebevoll gestaltete Garten ist wunderschön. Überall finden sich gemütliche Sitzecken unter schattigen Bäumen und neben Blumenbeeten. Von unserem Platz aus bietet sich ein toller Ausblick über das angrenzende Weingut Dr. Bürklin Wolf, der Wind trägt den Duft von einem üppigen Lavendelfeld herüber und dahinter breitet sich die Pfälzer Ebene aus. Der Garten erinnert teilweise an einen Englischen Garten, wäre nicht mittendrin ein, von einem hübschen und einfachen Holzzaun umschlossener, wilderer Garten. Die Himbeeren hängen dort reif und saftig an den Sträuchern und wir können nicht widerstehen. 

Der Kaffee ist solide, Blaubeerkuchen und Croissant sind fantastisch. Ob man in der Pfalz zuhause ist oder nur zu Besuch, hier kann jeder Urlaub machen. Nur schönes Wetter sollte man mitbringen. Danach einfach noch ein paar Flaschen Wein einpacken und ein bisschen Urlaub mit nach Hause nehmen. Zum Wohl die Pfalz!

Josefine ♥

+ Unsere Tipps


Pfälzer Genuss Fraktion

Weinstraße 68

76835 Hainfeld

Ob echte Pfälzer Hausmannskost oder lieber etwas Bekanntes, hier kommen alle auf ihre Kosten. Die Atmosphäre ist entspannt und authentisch.


Parkplatz Gleisweiler

Der Parkplatz ist terrassenförmig angelegt und eignet sich hervorragend, um eine Nacht dort zu stehen. Von dort kann man zur Walddusche laufen oder den Eichhörnchenweg wandern. Auch auch park4night zu finden.


Eichhörnchen Weg

Schöne Wanderung über die Trifelsblick-Hütte. Von hier kann man ein beeindruckendes Panorama von Schwarzwald, Rheinebene, den Weinbergen an der Südlichen Weinstraße, den Wasgaubergen und Burgen bis nach Frankreich hin und dem südwestlichen Teil des Pfälzerwaldes genießen.


Walddusche

Vom Parkplatz aus läuft man ca. 15 Minuten durch den Wald. Ein schöner Spaziergang, um dann mit einer erfrischenden Dusche in den Tag zu starten.


Iris Diehl

Ringstraße 1

67157 Wachenheim

Wunderschöner Garten mit angeschlossenem Café. Toller Ausblick über die Ebene. Einfach mal sein und die Seele baumeln lassen, dazu vielleicht noch ein Gläschen Pfälzer Wein, was könnte schöner sein.


Dr. Bürklin Wolf

Das Weingut auf über 85 Hektar fast ausschließlich Weißweine aus spitzen Lagen. Für ihren Riesling sind sie besonders bekannt. Hinter dem Haus schließt sich ein riesiger Garten an, der eher an eine Parkanlage erinnert. Einmal durch das Lavendelfeld schlendern und alle Sorgen sind vergessen.



Fotos © Stefan Weichand