Warum Kommunikation im Van alles ist!

bewusstsein-und-kommunikation.jpg

Fanpost

Wir haben uns sehr gefreut, dass ein anonymer Fan sich über unser Fragefeld auf der Homepage gewünscht hat, dass es mal wieder einen Beitrag in der Kategorie Bewusstsein gibt. Dem Wunsch wollen wir natürlich gerne nachkommen. Die Rubrik ist im Moment vor allem deshalb ein bisschen kurz gekommen, weil auch besagtes Bewusstsein in der letzten Zeit etwas kurz gekommen ist.

Zwar etablieren wir nach und nach wieder unsere Routinen, aber die Möglichkeiten, durch das Vanlife unsere eigenen Grenzen auszuloten, bleiben auch nicht aus. Wir verbringen im Moment 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche miteinander. Wir lieben die Präsenz und Gesellschaft des anderen, doch Konflikte bleiben nicht aus.


Freiraum auf 4qm

Wo wir im Alltag unsere persönlichen Freiräume hatten, die so manchen Disput abgeschwächt haben, können die Emotionen im Van manchmal schneller hochkochen, als das Wasser der Nudeln, wenn ich wieder den Deckel drauf gelassen habe. Auch so ein kleine Tretmiene, die ich lieber versuche zu vermeiden.

Die wenigsten Menschen streiten gerne und auch wir bevorzugen die Harmonie. Trotzdem sind wir dankbar für unsere Konflikte, denn wenn wir sie richtig nutzen, wird aus ihnen eine Quelle der Weisheit. Desto häufiger wir über Kleinigkeiten streiten, desto bewusster wird uns, dass der Knackpunkt keine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit ist, sondern zumeist einfach eine andere Perspektive. 

Der individuelle Ballast

Hinter den genervten oder schnippischen Kommentaren unseres Partners, unserer Kollegen oder Freunde, stecken häufig tiefe emotionale Verletzungen, die wir oft schon seit unserer frühen Kindheit mit uns herum tragen. In 99% der Fälle versucht unser Gegenüber nicht absichtlich, uns zu triggern und zu verletzen, sondern handelt nach einem altbekannten Muster. Streitigkeiten werden zu einer guten Gelegenheit, diese Traumata aufzulösen, wenn wir uns die Zeit nehmen, sie zu reflektieren und darüber zu reden.

konditionierung-und-layer.jpg

Zeit zu lernen

Kommunikation ist etwas, was wir erlernen müssen. Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle auszudrücken erfordert Verletzlichkeit gegenüber dem anderen. In unserem Alltag außerhalb des Vans bieten sich viele Möglichkeiten, diese Art der offenen und achtsamen Kommunikation zu umgehen. Großteile unseres Verhaltens basieren auf Schutzmechanismen und Glaubenssätzen, die wir erst ablegen müssen, um dem Partner die Gelegenheit zu geben, uns wirklich zu sehen. Handy, Laptop, Fernseher, all das sind wunderbare Kommunikationstöter. Im Van fallen diese Ablenkungsstrategien weg, denn Internet ist Luxus und auch sonst gibt es einfach zu viel zu entdecken.

Nur wenn wir uns unserer eigenen Bedürfnisse und Schutzmechanismen bewusst sind und uns einander öffnen, können wir die Reaktionen des anderen verstehen und die nötige Empathie aufbringen, um aufeinander zuzugehen. Es geht nicht darum Recht zu haben, sondern einen gemeinsamen Nenner zu finden. Falscher Stolz und Trotz haben auf so kleinem Raum keinen Platz. Wir können uns kaum aus dem Weg gehen und stehen so vor der Herausforderung, unsere Themen zu klären.

Umso wichtiger ist es für uns, uns trotz allem Zeit für uns selbst zu nehmen. Neben der Meditation hilft es uns auch zu schreiben, um Abstand zu gewinnen und eine neue Perspektive einzunehmen. Dabei geht es nicht so sehr um die Analyse des eigenen Verhaltens, sondern viel mehr darum, die Worte ohne viel nachdenken, fließen zu lassen. So bekommen wir Zugang zu den Dingen, die tief in unserem Inneren verborgen liegen.

Bewusstsein

Erst wenn wir uns über diese Dinge bewusst sind, können wir sie auch kommunizieren. Oft hilft es, dafür einen Rahmen zu setzen und einer bestimmten Methode zu folgen, besonders, wenn wir mit unseren Kommunikations-Skills noch ganz am Anfang stehen. Im Coaching haben wir gelernt, Fragen zu stellen und vor allem auch, das Gesagte zusammen zu fassen. So kann sich der Partner versichern, dass alles richtig verstanden wurde. Diese achtsame Art der Kommunikation und des Zuhörens ist unserer Meinung nach einer der Grundpfeiler gesunder und erfüllender Beziehungen, egal ob romantisch oder freundschaftlich.

Viele Zerwürfnisse entstehen durch Missverständnisse, weil wir nicht gelernt haben, unsere Bedürfnisse auf angemessene Art mitzuteilen. Zudem wissen wir ja nicht, ob unsere Themen ihre Berechtigung haben. Vielleicht kommen wir uns kindisch vor, weil wir uns so sehr in etwas hineinsteigern und ärgern uns über uns selbst, statt zu hinterfragen, woher dieses Gefühl kommt und wo es sich im Körper befindet. 

gefühle.jpg

Wo fühlst du den Druck?

Etwas das ich an Stefan sehr schätze, ist sein feines Gespür für meine Emotionen. Manchmal merkt er, dass ich angespannt bin, noch bevor ich das Gefühl selbst greifen kann. Dann fragt er mich, wo das Gefühl sitzt, und legt die Hand dorthin. Mir werden meist Kehle und Brust eng, ich fühle mich ohnmächtig und unverstanden. Meistens löst sich alleine durch seine Aufmerksamkeit und Präsenz bereits ein Teil der Anspannung.

Anspannung und Entspannung sind körperliche Empfindungen, denen meist Gedanken vorausgehen. Indem wir uns auf unseren Körper konzentrieren und besonders auf die Stelle, an der sich die Anspannung ausdrückt, können wir aus dem Kopf und unseren endlosen Gedankenspiralen wieder in den Moment zurückkommen. 

Einatmen - Ausatmen

Auch atmen hilft, mit Frust und Ärger umzugehen, und oft ist es besser, eine kleine Auszeit zu vereinbaren, um sich zu beruhigen, als auf Teufel komm raus zu versuchen, den Konflikt sofort zu klären. 

Gute Kommunikation ist nicht nur für ein Nomadenleben extrem wichtig, sondern unserer Meinung nach der Grundpfeiler gesunder zwischenmenschlicher Beziehungen. Unsere inneren Kinder sind gut darin, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Mit ein bisschen Abstand und einer Portion Humor, merken wir schnell, dass der ganz persönliche Weltuntergang nicht bevorsteht. Trotzdem sei hier nochmal betont, wie wichtig es ist, den Partner und seine Trigger ernst zu nehmen.


Josefine & Stefan ♥

josefine und stefan.jpg


Fotos © Stefan Weichand