Vanlife: Leben außerhalb der Komfortzone

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Müsste? Sollte? Könnte? Würde? Hätte? Machen!

Was braucht es eigentlich, um so ein Lebenskonzept zu realisieren?

Zwei Fragen, drei Antworten

Wenn wir neue Leute kennen lernen, sind zwei Fragen zum Vollzeit-Vanlife garantiert: 

Die erste Frage ist: “Wie viel Sprit verbraucht euer Bus?”

Dicht gefolgt von einer Version der Frage, wie wir unser Leben finanzieren. 

Die erste Frage ist leicht zu beantworten. Wir tanken LPG, sprich Autogas. Der Umbau hat uns 2.200 Euro gekostet und wenn er sich jetzt noch nicht finanziell gerechnet hat, dann war er es trotzdem wert. Denn zum einen ist Gas eine umweltfreundlichere Alternative zu Benzin und für einen Betrag zwischen 56.9 Cent und 60 Cent zu tanken, tut bei einem Verbrauch von ca. 22 l / 100 km wesentlich weniger weh, als bei den aktuellen Benzin Preisen Super zu tanken. Benzin tanken wir dennoch ab und an, weil das Gas beim Start einfach noch zu kalt ist und dem Motor schaden würde. 130 Euro zahlen wir ungefähr für eine Strecke von 1000 km.

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Die Frage nach dem Geld

Die zweite Frage ist schon etwas schwieriger zu beantworten und bringt uns auch immer wieder aus der Komfortzone. Die Wahrheit ist: Es gibt keine konkrete Antwort auf die Frage nach der Finanzierung und es ist fast mehr eine Frage nach Identität und Lebenseinstellung. 

Trotzdem wollen wir versuchen, sie für dich zu beantworten und teilen die Antwort in zwei Teile. Wir wollen transparent sein und dich inspirieren, für deine Träume los zu gehen, auch wenn die Rahmenbedingungen unter Umständen nicht optimal sind. Dabei wollen dir nicht vorgaukeln, dass bei uns immer alles “easy peasy lemon squeezy” ist. Das ist es nicht. Jedes Leben, auch wenn es noch so schön erscheint, hat auch seine Schattenseiten, das gehört einfach dazu. Mit unserem Ersparten werden wir gut 6 Monate reisen können, je nachdem wie gut wir mit unserem Tagesbudget von 13 Euro haushalten. Den Puffer und die Zeit nutzen wir, um an verschiedenen Standbeinen zu arbeiten, die uns danach tragen. 

Selbstständigkeit oder Lebenstraum?

Seit die Idee in den Bus zu ziehen, Gestalt angenommen hat, hatten wir kaum Gelegenheit etwas zurück zu legen. Ich habe meinen Job gekündigt, um mich als Yogalehrerin und Embodiment Coach selbstständig zu machen. Als wir uns allerdings entschieden haben, die Sache wirklich durchzuziehen, ist auch meine Motivation geschwunden, meine Selbstständigkeit in Berlin weiter aufzubauen. Die Frage stand im Raum, ob ich diese Selbstständigkeit dann einfach mit nehmen könnte, doch schlussendlich wollte ich meine Energie und unsere Ressourcen nicht investieren, um mir einen Kundenstamm in Berlin aufzubauen und dann zu verschwinden. Das war keine leichte Entscheidung.

Stefan kann einen Teil seiner Arbeit bei SPRT von unterwegs machen, schießt Fotos oder produziert Filme. Außerdem konzipieren und bauen wir Websites, ich schreibe Artikel und freue mich über neue Aufträge und wir nehmen WE ARE HERE WE ARE NOW als Projekt ernst. Wir wünschen uns, dass der Blog uns teilweise finanziert. Vor allem aber wollen wir ihn als Plattform nutzen, um unsere Botschaft zu verkünden: Wir alle können etwas bewegen, in unseren eigenen Leben und auch als Teil einer viel größeren Gemeinschaft. 

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Ein alternatives Lebenskonzept realisieren

Alles was es dazu braucht, ist häufig eine große Portion Mut und eine Vision. Und damit kommen wir zum zweiten Teil der Antwort. Wir glauben nicht, dass es ein Problem ist, diesen oder irgendeinen anderen Lebensstil zu finanzieren. Es ist eine Herausforderung, die vor allem darin besteht, zu lernen, mit Unsicherheiten umzugehen. Natürlich fragen wir uns, wo in einigen Monaten das Geld herkommen soll. Die Frage nach dem Geld triggert in uns die Angst, es nicht zu schaffen. Manchmal haben wir sogar das Gefühl möglichst viele Dinge aufzählen und eine klare Antwort haben zu müssen, um andere zu überzeugen. Aber von was? 

Alles kann, nichts muss

Hier liegt der Schlüssel, denn schon mein Chef bei Ignore Gravity hat mir damals gesagt: Wir müssen nichts. Ausgenommen ist natürlich, dass wir noch nicht unsterblich sind und das finden wir auch gut so. Wir müssen niemanden überzeugen und wir müssen nicht auf jede Frage die Antwort kennen. Das Einzige, was wir müssen, vorausgesetzt, wir wollen unseren Traum verwirklichen, ist daran zu glauben und danach zu handeln. Die letzten Monate haben uns herausgefordert. Dabei sind auch mal die Fetzen geflogen und die Tränen gelaufen. Angst ist ein komplizierter Freund, der sich immer wieder einschleicht und die schlimmsten Seiten aus uns heraus kitzeln kann. Doch wie heißt es so schön, wir können nur verändern, worüber wir uns bewusst sind.

Was ist das Schlimmste, was passieren könnte?

Angst kann auch Motivation sein. Mit ihr stellt sich uns die Frage, was das Schlimmste wäre, was passieren könnte? Wir sind gebildet und, wie wir finden ziemlich charmant. In unseren Bus und diesen Lifestyle haben wir einiges investiert und damit eine kleine Wertanlage geschaffen, die uns eine gewisse Sicherheit gibt. Natürlich würden wir alles lieber tun, als unseren Emil zu verkaufen und werden alles daran setzen, dass der Notfall nicht eintritt. Einer der wichtigsten Aspekte für uns ist, dass wir eine Gemeinschaft haben, die uns trägt. Familie und Freunde, die uns unterstützen. Das Wertvollste sind für uns die Erfahrungen, die wir in den letzten Monaten gemacht haben. Wir lernen jeden Tag mehr über uns selbst, über einander und vor allem darüber, was wir vom Leben wollen. Das ist in unseren Augen durch kein Geld der Welt aufzuwiegen.

Die eigentliche Frage ist am Ende doch: Was braucht es für uns wirklich zum Leben? 

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Mut, Offenheit und humor

Unser Antrieb ist es, ein Leben zu leben, dass uns Spaß macht, uns erfüllt, uns Freiheiten lässt und vor allem Zeit. Denn davon haben wir nur begrenzt, manchmal vielleicht sogar noch weniger, als wir uns erhoffen würden oder als uns selbstverständlich erscheint.

Wir wollen es lieber ausprobieren, als unzufrieden sein. Lieber ins kalte Wasser springen, als es nicht zu versuchen. 

Was braucht es also, um einen alternativen Lebensentwurf zu realisieren? 

Die bisherige Erfahrung hat uns gelehrt, dass es Mut und Offenheit braucht. Es braucht den Willen, sich von der eigenen Identität zu verabschieden und es braucht die Fähigkeit, sich eine Alternative zur Norm vorzustellen. Es braucht eine gute Portion Resilienz, also psychische Widerstandskraft, um Schwierigkeiten und Herausforderungen zu überstehen und auch die unangenehmen Fragen, deren Antwort man noch nicht kennt, auszuhalten. Residenz bildet sich durch die Reflexion der eigenen Erfahrungen und auch durch die persönliche Praxis: Praktiken, wie Meditation, Yoga und Journaling, verschaffen uns Zugang zu unserer inneren Kraftquelle. Zu guter letzt macht das Leben mit einer guten Priese Humor mehr Spaß. Alles nicht so ernst nehmen und einfach mal machen.

Josefine & Stefan ♥


Fotos © Familie Weichand & Niklas Kalinke