Umweltbewusstsein: Unser Einfluss auf die Umwelt

Nach zwei Wochen des Wartens sind wir an diesem Wochenende immer noch in Berlin. Auf unsere anfängliche Frustration folgte Belustigung und dann eine gewisse Pro-Aktivität. Mittlerweile konnten wir dank aller Verzögerungen einige Aktivitäten abhaken, die schon lange auf unserer To Do Liste für Berlin standen und so mit Berlin abschließen, ohne das Gefühl, etwas wirklich Großes verpasst zu haben.

ARTEFAKTE im Naturkundemuseum

Eine dieser Aktivitäten war ein Besuch im Naturkundemuseum. Während ich es noch nie dort hin geschafft habe (oder in irgendein anderes Museum in Berlin… Prokrastination lässt grüßen), war Stefan schon einige Male dort und wollte unbedingt ein letztes Mal seinem Freund Tristan Otto einen Besuch abstatten und ihn mir vorstellen. Tristan ist ein T-Rex, einer von 50, die auf der Erde bis heute entdeckt wurden. Mit 170 gefunden Knochen gehört Tristan zu den Top 3 der besterhaltenen T-Rexe. Schon vor einiger Zeit habe ich gesehen, dass im Naturkundemuseum außerdem gerade eine Ausstellung unter dem Namen “ARTEFAKTE” läuft. Eine Ausstellung über unsere Umwelt und unseren negative Einfluss auf sie. 

Obwohl ich mir schon lange einrede, dass ich halt nicht so der “Museumstyp” bin, hat mich das Naturkundemuseum wirklich begeistert. Stefan war ganz erstaunt, als ich ihm von meiner vermeintlichen Museums-Aversion erzählte. Ich sei doch so wissbegierig und interessiert, ist sein Kommentar dazu. Und es stimmt wirklich, ich bin wissbegierig und interessiert. Allerdings habe ich in Museen häufig das Gefühl, die Hälfte zu verpassen oder nicht behalten zu können. Dieses Mal ziehe ich mit der Intention los, mich inspirieren und entführen zu lassen ohne zwangsläufig alles behalten zu müssen. Spätestens als wir in der Sonderausstellung “ARTEFAKTE” ankommen, ist es damit jedoch vorbei. Bei jedem zweiten Fakt sehe ich mich hektisch und ungeduldig nach meinem Mann und seiner Kamera um, um ihm entsprechende Anweisungen zu geben, alles abzufotografieren. Und immer wieder frage ich mich dabei, wie andere Museums- und Ausstellungsbesucher mit dieser Informationsflut umgehen. 

Wie wir mit Veränderungen umgehen

Ich kann aufatmen. Auch ohne meine Anweisung ist Stefan bereits dabei, alles abzufotografieren. Es ist uns wichtig, von Beginn an Verantwortung zu übernehmen und unseren Blog als Plattform zu nutzen, um Themen zu bespielen, die wir für relevant erachten. Denn ich bin mir sicher, wir sind nicht die einzigen, die sich im Angesicht der ganzen Dinge, die gerade global und lokal schief laufen oder die wir nicht mehr tun sollten, manchmal etwas ohnmächtig und überfordert fühlen. Umso wichtiger finden wir es, dass Ausstellungen und Museen ihre öffentliche Rolle nutzen, um auf die Herausforderungen und Themen unserer Zeit aufmerksam zu machen. Und umso trauriger stimmt uns, wie viele Menschen nur mit einem Seitenblick durch die Ausstellung eilen. Dazu fallen mir ein psychologisches Phänomen und ein Auszug aus der “ARTEFAKTE” Ausstellung ein. Die Schweizer Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross beschrieb folgendes Muster, mit dem wir Menschen gravierende Veränderungen im Leben verarbeiten: 

  1. Verleugnen

  2. Wut

  3. Verhandeln

  4. Depression

  5. Akzeptanz

Die Macher der Ausstellung kommentieren das mit der Aussage: “Offensichtlich befinden wir uns weltweit noch in den Stadien 1 bis 4.” 

Veränderung ist unsere Natur

Um das Potenzial der Veränderungen auszuschöpfen, müssen wir akzeptieren, dass Veränderung unsere Natur ist. Nur so haben wir die Möglichkeit, sie für uns zu nutzen und aus ihr heraus Neues zu erschaffen. 

Zu jedem Bereich bieten die Experten der Ausstellung Tipps, wie wir mit kleinen Veränderungen in unserem eigenen Alltag in Aktion treten können, um gemeinsam eine globale Krise abzuwenden. Eine Krise von der vor allem wir Lebewesen betroffen sind und sein werden. Die Erde als dynamischer Teil des Kosmos wird uns überleben. Auch diesen Zusammenhang kann man in den Räumen des Naturkundemuseums kennen lernen. Dort wird die Entstehung des Universums und unseres Planetensystems in einem interaktiven Teil der Ausstellung begreifbar gemacht. 

Unscheinbare Alltagsprodukte, massive auswirkungen

Am meisten geschockt und inspiriert hat uns wohl die Installation der Sonderausstellung, mit den vielen Produkten und Lebensmitteln unseres Alltags. Von der Jeans über Kaffee, Milch und Avocados bis hin zu Laptops, Handys und Klopapier. Die Verpackungen sind in recyceltem Packkarton inszeniert, darauf Aufkleber mit Informationen zu Transportweg, CO2, Wasserverbrauch und mehr. Wir haben das Gefühl, bei vielen Nahrungsmitteln ist das Bewusstsein mittlerweile etwas gestiegen, besonders durch die Fitness- und Diättrends der letzten Jahre. Bei Kleidung und anderen Produkten des Lebens scheint das weniger der Fall zu sein. Eine einzige Jeans hat beispielsweise einen Transportweg von 50.000 km, verursacht 30kg CO2 und verbraucht 8.000 l Wasser. 60 Jeans werden weltweit pro Sekunde verkauft. Eine Person hat pro Jahr einen Verbrauch von 80 Rollen Klopapier. Um diesen Bedarf alleine in Deutschland zu decken, müssen 1.500 Bäume gefällt werden. Wer recyceltes Klopapier benutzt spart gegenüber normalem Klopapier bis zu 60% Energie, 70% Wasser und es müssen 100% weniger Bäume gefällt werden. Die leckeren Avocados auf unseren Sandwiches und in unseren super gesunden Quinoa-Bowls sind für die illegale Abholzung von Wäldern vor allem in Mexiko verantwortlich. Für 3 Avocados benötigt man 7 gefüllte Badewannen. Das sind nur einige der vielen Beispiele, die dargestellt werden. Auch über den Quinoa kannst du dich bei Gelegenheit in der Ausstellung informieren, oder du schreibst uns eine Email. 

Zusammen Verantwortung übernehmen

Die gute Nachricht ist, wir können die globale Herausforderung gemeinsam schaffen. Wenn jede*r ein wenig Verantwortung übernimmt, indem wir alle bei uns selbst anfangen und unseren Mitmenschen gegenüber Empathie aufbringen. Häufig hören wir das Argument, dass wir im Kleinen sowieso nichts ausrichten können. Und es stimmt, vielleicht sorgt mein ganz persönlicher Einkauf, ob Bio, regional und saisonal oder nicht, noch nicht für eine bessere Welt. Aber die eigenen Handlungen ziehen Kreise, wie ein Stein, der in den See geworfen wird. Desto größer der Stein, desto größer die Kreise. Wenn wir die Handlungen, die in Alignment mit uns selbst und unserer Umwelt stehen, als besonders große Steine erkennen, erkennen wir auch, welchen Einfluss jede*r einzelne von uns haben kann. 

“ARTEFAKTE” ist wirklich einen Besuch wert und Tristan Otto sollte man sich auch auf keinen Fall entgehen lassen. 


Josefine ♥





+ Unser Tipp

Naturkundemuseum Berlin

Sonderaustellung "ARTEFAKTE"

https://www.museumfuernaturkunde.berlin/de/museum/ausstellungen/artefakte

Fotos © Josefine Weichand & TAZ