Social Media: Werkzeug oder goldener Käfig?

Wie viel Social Media ist zu viel Social Media?

Wie viele Regeln sind zu viele Regeln?

Arbeiten wir für den Algorithmus oder der Algorithmus für uns? 

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Diese Fragen stellen wir uns fast täglich, seit wir WE ARE HERE WE ARE NOW öffentlich gemacht haben und Menschen damit erreichen wollen. Und nicht nur Herzens-Projekte, wie unseres, werfen diese Fragen auf, auch im privaten Leben stellen sich uns diese Fragen. Social Media ist für die meisten von uns zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden. Wer hat nicht schon mal ein Bild gepostet und sich dann dabei ertappt, immer wieder zu schauen, wie viele Herzchen und Daumen es schon bekommen hat? Wir heben hier die Hand, denn wir sind dem Phänomen schneller verfallen, als wir supercalifragilisticexpialigetisch schreiben können. Zugegebenermaßen, das Wort ist lang, aber dennoch nicht lang genug, um das ständige Zappen am Bildschirm zu rechtfertigen. 

ohne social media bekannt werden? Ja oder nein?

Gleichzeitig gehen Bekanntheit und die Benutzung von Social Media heute fast Hand in Hand. Wer sich unter der Vielzahl an Blogs, Webseiten, YouTube-Kanälen und Instagram-Accounts hervorheben will, kommt kaum drum herum, sich durch guten Content auf allen Plattformen abzuheben. Jede Woche werden neue Tipps und Tricks veröffentlicht, wie man sich einen Vorsprung verschaffen kann, den optimalen Facebook Post schreibt oder die Aufmerksamkeit der User auf Instagram für einen klitzekleinen Augenblick auf sich zieht. Nur beim Lesen dieser Ressourcen wird es uns manchmal schwindelig. Wie sollen wir all diese Regeln befolgen und vor allem wollen wir das überhaupt? Und wenn wir es nicht tun, haben wir dann überhaupt eine Chance aufzufallen? 

Verletzlichkeit verbindet

Auf meinem persönlichen Instagram Account habe ich bis kurz vor dem Start von WE ARE HERE WE ARE NOW meine Gedanken zu Bewusstsein, Yoga und Weiblichkeit geteilt. Ich hatte ungefähr 500 Follower und trotz all meiner Bemühungen nicht eine einzige Coaching Anfrage. Liegt das nun an mir? Vielleicht! Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Plattformen wie Instagram nur eine weitere Möglichkeit geworden sind, uns von unseren eigenen Leben abzulenken. Wir sehen Momentaufnahmen und Bewegtbilder anderer Menschen, die wir meistens nicht persönlich kennen. Wir wissen kaum etwas über ihren Alltag, ihre Ängste, ihre Sorgen. Die wenigsten Nutzer teilen auf ihren Accounts diese Informationen. Doch Verletzlichkeit verbindet, während romantisierte und vermeintlich perfekte Bilder und Videos uns voneinander separieren und uns mehr und mehr isolieren. Wir selbst wissen um unsere eigenen Unzulänglichkeiten, unsere kleinen Makel und Fehler. Sie machen uns einzigartig und liebenswert. Wenn wir dann nach dem Aufwachen, auf der Toilette, beim Warten und vor dem Schlafengehen durch unseren Feed scrollen sind wir verunsichert. Sind wir wirklich gut, so wie wir sind? 

Social Media als Werkzeug

Auf der anderen Seite ist Social Media ein tolles Werkzeug. Viele Menschen, denen wir folgen, inspirieren uns, geben uns Denkanstöße und machen uns Mut. Wenn es nicht so unglaublich viele Vanlife Videos auf YouTube und Menschen wie Katja von Peace Love & Om gäbe, die Vanlifer porträtieren, wären wir vielleicht nie auf die Idee gekommen, wirklich Vollzeit in den Bus zu ziehen. 

Wie bei allem im Leben geht es um die richtige Balance. Für mich war es wichtig, Social Media für eine Weile komplett aus meinem Leben zu verbannen, bevor ich das Gefühl hatte, es als Werkzeug für mich nutzen zu können, statt selber zum Werkzeug einer riesigen Maschinerie zu werden. Auch wir nutzen einige der Tipps und Tricks, um auf uns aufmerksam zu machen, schließlich haben wir eine Botschaft, die wir verbreiten wollen. Jedoch nicht um jeden Preis. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, wäre wahrscheinlich ein eigenes Social Media Team nötig. Wir haben weder Zeit noch Lust, jeden Post zu optimieren, denn dann würde die Inspiration für neuen Content auf der Strecke bleiben.

Erfolg ist subjektiv

Jeder Mensch ist anders, während die einen unermüdlichen an ihrer Online Präsenz zu arbeiten scheinen und nebenbei noch die tollsten Abenteuer erleben, sind wir nach ein paar Stunden am Laptop platt. Deshalb versuchen wir, mit dem kleinst möglichen Aufwand möglichst viel zu erreichen und glauben fest daran, dass ehrliche und authentische Inhalte und ein menschliches Auftreten uns am Ende an unser Ziel bringen. 

Denn Erfolg ist subjektiv und die Frage danach, was Erfolg für dich bedeutet, kannst du nur ganz individuell beantworten. 

Für uns bedeutet Erfolg, Menschen zu bewegen, in dem wir einfach wir selbst sind und tun worauf wir Lust haben und am Ende des Tages genug Geld zu haben, um uns den ein oder anderen Luxus zu genehmigen. Und was bedeutet überhaupt Luxus?

Josefine ♥


Fotos © Stefan Weichand