Kräuter-Oase: Ankommen, genießen, erleben (Teil 2)

Raus aus Berlin und rein in den Naturpark Dahme-Heideseen. Heidesee ist unser erstes Ziel. Im ersten Teil des Artikels liest du, wie wir es endlich aus Berlin raus geschafft haben und wie wir zu einem saftigen und frisch geräucherten Saibling gekommen sind. 

Spontaner Besuch im Kräuterparadies

Wir nähern uns dem Ortsausgang von Heidesee und ich entdecke den Kräuter- und Naturhof, von dem ich bereits online gelesen hatte. Wir halten an und wollen uns einmal umschauen. Der Hof hat eigentlich nur am Wochenende offen, doch wir haben Glück. Gerald Bernhard, Inhaber des Hofs, gießt gerade seine Kräuter und lässt uns rein. Rezeptionist Bruno trottet gemächlich und mit sommerlichem Haarschnitt auf uns zu und lässt sich kraulen. Mit seinen neun Jahren gehört der Hofhund zur gemütlicheren Sorte und opfert sich gerne auch mal für eine Eiswaffel. Davon ausgehend, dass wir uns einfach einmal umschauen dürfen, sind wir überrascht, als wir eine exklusive Führung bekommen. Auf halbem Weg durch den Hof stößt Gerald’s Frau Ute zu uns. Ute ist ein echtes Original und mit ihrer offenen und herzlichen Art und ihren flotten Sprüchen hat sie uns gleich für sich eingenommen. Während Ute uns mit dem Kommentar “Zufälle gibt es nicht” begrüßt, widmet sich Gerald wieder seinem Vietnamesischen Koriander, der übrigens sogar Stefan schmeckt, der eigentlich zu der Gruppe Menschen gehört, die Koriander wegen des seifigen Geschmacks eher meiden.

Seit 4 Jahren betreiben die beiden gemeinsam die kleine Oase und bewirten am Wochenende um die 300 Gäste. Bei dieser Zahl ist uns schier die Kinnlade runter geklappt, denn der Hof ist gemütlich, aber überschaubar. Doch wer die beiden kennenlernt und am eigenen Leib erfährt, mit welcher Liebe und Leidenschaft sie sich der Thematik, den Kräutern und den Menschen widmen, der wundert sich nicht mehr über die zahlreichen Besucher. Die Kräuterbeete sind stilvoll aus Schätzen angelegt, die sonst wohl auf dem Müll gelandet wären, wie Ute uns verrät. Hinter dem Haus gibt es einen Zugang zu einem kleinen See, der dem Ort gleich etwas Magisches verleiht. Wäre nebenan noch ein Stückchen Land gewesen, wir hätten Emil womöglich dort geparkt und wären hängen geblieben. 

Mit einem Hintergrund in der Eventgastronomie und im Verkauf weiß Ute ihre Gäste zu umsorgen, ihr tiefes Fachwissen und ihre ehrliche und direkte Art tun ihr übriges. Neben Kräuter- und Waldführungen, können jung und alt auf dem Hof das Kochen mit Kräutern erlernen und Ute unterrichtet auch in einem Jugendclub. Die Arbeit dort macht ihr sichtlich Spaß und als echte Geschichtenerzählerin versteht sie es, den Kindern neben den Kräutern auch Empathie, Zusammengehörigkeit und Bewusstsein spielerisch und mit Beispielen aus der Natur nahe zu bringen. Von ihr hätten wir uns auch gerne unterrichten lassen und es stimmt uns fast ein wenig traurig, dass wir nicht mit ihr durch Wald und Wiesen streifen können.

Selbstgemachtes aus dem Garten

Als wir uns wieder auf den Weg machen wollen, möchte Gerald uns Kräuter für Garten oder Balkon mitgeben. Ute erklärt ihm, dass wir im Bus keine Kräuter mitnehmen können, macht auf dem Absatz kehrt und fordert uns auf, mitzukommen. Wir finden uns in ihrem Verkaufspavillon wieder, wo sie schon dabei ist, uns verschiedene Leckereien rauszusuchen. Wir bekommen rotes Pfefferöl aus Distelöl, japanischem Wasserpfeffer, Zwiebeln und Acrimonia, einen Honig mit Bohnenkraut veredelt und eine Johanniskrautessenz, Volksmedizin und Allheilmittelchen. Gerald drückt mir noch eine Visitenkarte in die Hand mit dem Auftrag, die frohe Botschaft in die Welt zu tragen, denn über das Wording “ankommen, genießen, erleben” wurde lange diskutiert. Dem Auftrag komme ich hiermit gerne nach, denn ankommen, genießen und erleben kann man auf dem Kräuter- und Naturhof wahrlich. Dankbar über die Herzlichkeit, die Großzügigkeit und die Begegnung sind wir mehr vom Hof geschwebt als gegangen. Wir können Ute, Gerald und ihren Hof nur empfehlen und die Johanniskrautessenz ist unschlagbar gegen den Juckreiz meiner diversen Mückenstiche.

Ein Plätzchen am See

Zum Mittagessen machen wir uns auf den Weg nach Köthen. Tipp des Fischers Manfred. Das Örtchen ist beschaulich, ruhig und direkt am Köthener See gelegen. Perfekt, um die Seele baumeln zu lassen und unsere Leckereien zu genießen. Den Nachmittag verbringen wir in der Hängematte und mit Backgammon, wobei ich immer wieder abdrifte, weil die Gruppe Jugendlicher aus der Jugendherberge meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Nacht stehen wir auf einem kleinen, ruhigen und etwas versteckten Parkplatz im Dorf. Wir sind glücklich über die öffentlichen und sehr sauberen Toiletten und die Außendusche an der Badestelle und starten unseren Tag mit einer Runde Yoga und einer Arschbombe in den See. 

Kann es noch besser werden? 


Josefine ♥

+ Unsere Tipps

Kräuter- und Naturhof

An der Dabernack 2

15754 Heidesee OT Kolberg

Telefon : 0172 99 15754

Badestelle Köthen

Kleiner feiner Badestrand mit Steg, in der Nähe einer Jugendherberge. Sanitäranlagen mit Duschmöglichkeit, Bäume für Hängematte, kostenloser Stellplatz über Park4Night in der Nähe.


Fotos © Stefan Weichand


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