Masurische Seenplatte: Fernab vom Massentourismus

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Die Masurische Seenplatte

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Wir sind an der masurischen Seenplatte angekommen. Früher war dieses Gebiet auch als preußische Seenplatte bekannt. Die Seenlandschaft erstreckt sich über die Woiwodschaft Ermland-Masuren in der nord-östlichen Ecke Polens, kurz vor der litauischen Grenze. Auf der Fahrt haben wir auf einigen Blogs gestöbert, unteranderem bei Brave Bird, wo wir immer wieder Inspiration finden. Die Gegend ist trotz ihrer atemberaubenden Schönheit und fast 3000 Seen vom Massentourismus noch verschont geblieben. Der Spirdingsee und der Mamry See sind nicht nur hier, sondern landesweit die größten polnischen Seen. Uns zieht es trotzdem an die kleineren Seen, weil wir gelesen haben, dass man hier unberührtere Stellplätze finden kann.

Wildcampen in Polen

Wir fahren durch Fichtenwälder, deren Böden mit Moos und weichem Gras bedeckt sind. An einem kleineren See halten wir für einen Spaziergang und pflücken wilde Himbeeren, deren Geschmack mit den Himbeeren aus den Supermärkten nicht zu vergleichen ist. Die Polen lieben es zu angeln und wir sehen einige Wildcamper. Es ist bereits Nachmittag und wir suchen nach einem Stellplatz. Über die park4night App finden wir zwei schöne Stellen und das Navi schickt uns auf einen Waldweg. Wir halten an, weil wir ein Schild entdecken, das vermuten lässt, dass die Einfahrt verboten ist. Mit dem Google Translator übersetzen wir das Schild, die Zufahrt ist tatsächlich nur für Befugte erlaubt. Ein Auto kommt uns entgegen, der ältere Mann und seine Frau reden auf Polnisch auf uns ein, sie sprechen weder Englisch noch Deutsch und geben es schon nach kurzer Zeit auf. Wir haben zwar nichts verstanden, glauben jedoch, dass sie uns darauf hingewiesen haben, dass wir mitten auf dem Weg parken.

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Die Kunst sich zu trauen

Wir wollen unser Glück versuchen, vor uns haben schon vier andere Leute hier übernachtet. Stefan lenkt Emil auf den sandigen Waldweg und die niedrigen Äste peitschen Emil links und rechts. Der erste eingetragene Platz ist mitten im Wald, einsam und mit Blick auf den See. Er ist auch zugewuchert ohne Ende und sieht aus, als müssten wir uns auf einige Insekten einstellen. Wir treten den Rückzug an und wollen den nächsten Platz ansteuern, doch von dort kommen uns Leute entgegen. Wir sind immer noch nicht sicher, ob wir diesen engen Waldweg überhaupt befahren dürfen und fahren lieber weiter. Die Polen scheinen wert auf den Sonntagsausflug mit der Familie zu legen. Plötzlich tauchen sie überall zwischen den Bäumen auf und wir fühlen uns nicht wohl. Durch Schlaglöcher und Pfützen schaffen wir es zu einer versteckten Siedlung mitten im Wald. Nach einigen Kilometern sind wir endlich wieder auf einer größeren Straße.


Die Kunst loszulassen

Es stört uns nicht, dass wir nun keinen Stellplatz gefunden haben, aber wir haben ein Gefühl für die Polen bekommen. Niemand hat uns wirklich beachtet und beim nächsten Mal werden wir solche abgeschiedenen Parkplätze erst in der Dämmerung anfahren. Stefan freut sich, dass wir stattdessen entscheiden, essen zu gehen. Das Restaurant liegt direkt an einer Einstiegsstelle für Paddler und Kanufahrer, die hier über einen Fluss von einem See zum nächsten gelangen können. Wir treffen auf die ersten Deutschen, die das Restaurant wohl als Zwischenstopp für eine kleine Stärkung nutzen.

Ein Campingplatz wie im Bilderbuch

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Wir probieren eine Art gefüllte Kartoffelknödel, deren Namen mir leider entfallen ist und eine frisch gebratene Forelle und trinken dazu Bier vom Fass. Auf der App finden wir einen Campingplatz an einem kleineren See in der Nähe, der sehr gut bewertet ist. Zwanzig Minuten später fahren wir durch einen hohen Torbogen aus Backsteinen auf ein Gelände mit Scheunen und Zugang zum See. Der Besitzer weist uns einen Platz an einem Teich unter einer Birke zu und amüsiert uns, als er auf meinen begeisterten Ausruf mit “I know!” antwortet. Außer uns scheinen hier einige Tagesgäste zu sein und zwei Wohnwägen, die langfristig abgestellt wurden. Der Campingplatz ist auf dem Gelände einer alten Kirche, die von den Betreibern gepflegt wird. Die eigentliche Kirche ist ein kleiner unerwarteter Raum in einem alten Haus, in dem auch die Nonnen gelebt haben. Jetzt werden dort Gäste beherbergt. Links und rechts der Hofanlage sind zwei kleine Friedhöfe, deren Kreuze einen dritten Balken am unteren Drittel haben, der sich von links unten nach rechts oben zieht. In der Kirche entdecken wir ein Gemälde von Jesus am Kreuz und stellen fest, dass der Balken wohl der Andeutung der Füße dient. 

Von Kühen geweckt

Zwei Stege führen auf den See hinaus und von einem kleinen Strand kann man in das Wasser waten. Wir finden auf dem größeren der beiden Stege ein Plätzchen und spielen Backgammon, während wir den Sonnenuntergang beobachten. Von unserem Bett aus haben wir einen tollen Ausblick auf den See. Die Vorhänge lassen wir heute Nacht offen und erwachen mit den ersten Sonnenstrahlen. Wir staunen nicht schlecht, als eine Herde Kühe morgens muhend am Bus vorbeizieht und auf den Strand marschiert. Sie scharren sich den Sand auf den Körper und kauen mit Appetit das saftige Gras. Einige Minuten später kommt der Bauer gerannt und redet wildfuchtelnd auf die Kühe ein. Die Herde setzt sich in Bewegung und galoppiert Richtung Weide. Wir starten den Tag mit Yoga am See. Die Angler sind keine Frühaufsteher und wir haben den Platz ganz für uns. Danach springen wir Kopf voran in das kalte und klare Wasser. Gibt es eine bessere Art, sich den Schlaf vom Körper zu waschen? 




Josefine ♥


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Wer nach Ruhe und Natur sucht ist an diesem Ort richtig. Der Campingplatz liegt direkt an einem See zwischen wunderschönen Friedhöfen auf dem Gelände einer alten Kirche.

Fotos © Stefan Weichand