Lange Strecken im Van

kurz vor der polnischen Grenze

Von der Pfalz gen Norden

Am Mittwoch brechen wir aus der Pfalz auf und fahren los. Unser erstes Ziel ist die masurische Seenplatte in Polen. Die lange Strecke teilen wir in einige Etappen auf. Für die erste Nacht finden wir einen Parkplatz auf der park4night App, kurz hinter Stuttgart. Der Stellplatz liegt zwischen einem See und einem Anglerteich. Auf Schildern ist ausgewiesen, dass “campen, lagern und rasten” verboten sind. Ganz wohl ist uns im ersten Moment nicht dabei, aber wir sind auch zu müde, um weiterzufahren.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Ich kuschel mich noch für ein paar Hundert Meter ins Bett, während Stefan Emil auf eine kleine Landstraße fährt und an der Seite anhält, um zu spülen. Ich fühle mich wieder wie ein kleines Mädchen im Bus meiner Eltern, wenn wir in den Urlaub gefahren sind. Mein Bruder und ich haben es geliebt, dabei hinten drin zu liegen und aus dem Fenster zu schauen.

Klangschalenoase an der deutsch-polnischen Grenze

Natur.jpg

Wir fahren einige Stunden Richtung Polen. Im Landvergnügen Führer haben wir uns eine Klangschalenoase direkt an der deutsch-polnischen Grenzen ausgesucht, um dort zu übernachten. Die Landschaft verändert sich langsam, weite Felder und Wiesen weichen hohen dünnen Fichten, die entlang der gut ausgebauten zweispurigen Straße aufragen. Wir fahren an einem riesigen Atomkraftwerk vorbei, die Schilder warnen uns vor Regenschauern.

In der Oase werden wir herzlich von Dietmar empfangen und dürfen auf der Wiese hinter dem Haus parken. Ein älteres Pärchen aus den Niederlanden parkt mit einem blauen Sprinter neben uns. Dietmar gibt uns den Toilettenschlüssel und zeigt uns die Außendusche zwischen einer Ansammlung niedriger Bäume.

Wir genießen die Abendsonne und ich mache Yoga, während Stefan ein Paar Bilder schießt und bearbeitet. Nachts fängt es an, zu regnen und die Tropfen prasseln auf das Autodach. Der Regen tut gut und wäscht die Anspannung der Tage des Wartens von uns ab. In Badesachen bekleidet rennen wir morgens zur Außendusche und drehen erwartungsvoll das Wasser auf. Wegen einem Stromausfall ist das Wasser an diesem Morgen wenig wärmer als der Regen. Allerdings immer noch wärmer als unsere Walddusche vor einigen Tagen. Während unseres kurzen Aufenthalts haben wir es nicht geschafft, die Klangschalenreise an der Neiße mitzumachen, die sonntags stattfindet. Zur Ruhe kommt man in der Oase auf jeden Fall.


Aufbruch nach Polen

masurische-seenplatte.jpg

Im Regen fahren wir los, lange Strecken im Van können sich ziehen. Stefan ist ein routinierter und guter Fahrer und sitzt meistens hinter dem Steuer. Ich fahre auch gerne und gut, aber auf der Autobahn ist es mir manchmal zu anstrengend. Ich lese mein Buch, schreibe neue Blogposts und fasse zwischendurch die Handlung meines Romans für Stefan zusammen. Ich kümmere mich auch um Snacks und Getränke und halte im Fahrtenbuch akribisch unsere Ausgaben fest. 

Hinter der Grenze bin ich schlagartig an Nigeria erinnert, wo ich aufgewachsen bin. Von einem Augenblick zum nächsten wandelt sich ein hübsches Grenzstädtchen mit Fachwerkhäusern in eine Art Straßenmarkt, der mich an den Wuse Market in Abuja erinnert. 

Die Autobahn ist auf den nächsten paar Kilometern holprig und schlecht ausgebaut, Stefan weigert sich und sucht eine neue Route. Der Regen macht das Fahren angenehm, weil wir nicht das Gefühl haben, das Wetter genießen zu müssen. Gezahlt wird in Złoty, 1 Złoty sind umgerechnet 23 Cent. Für Gas zahlen wir etwa 46 Cent und wir freuen uns sehr über die Ersparnisse beim Tanken.


Zwischenstopp in Breslau

pirogi.jpg

In Breslau halten wir, um einige Stunden zu arbeiten. Wir entdecken einen kleinen Markt und kaufen günstig Gemüse, Pirogi und Gewürzgurken, die Stefans Herz höher schlagen lassen. Obwohl wir nicht viel von der Stadt sehen, scheint sie sehr schön zu sein. Wir fahren noch zwei Stunden weiter und kommen an einen kleinen See, der als eine Art natürlicher Freizeitpark angelegt ist. Eine gute Asphaltbahn verläuft neben einem Fußgängerweg einmal drum herum. Es gibt ein Outdoor-Fitnessstudio, eine Wakeboard-Anlage und einen Grillplatz. Das Ganze wird von den Einheimischen rege genutzt und wir versuchen mit unserem weißen Gefährt, möglichst nicht aufzufallen. Unsere Lichterkette lassen wir an diesem Abend aus und funktionieren unsere Stirnlampen zu romantischen Hutlampen um. Wir spielen Backgammon, Stefan ist mittlerweile richtig gut und das Gewinnen wird für mich immer schwieriger. Beim Backgammon geht es aber eigentlich nicht wirklich darum, zu gewinnen, sondern ein schönes Spiel zu spielen.

Wir stehen früh auf, um weiter zu fahren. Drei weitere Stunden und einen kleinen Stau später kommen wir an. Ein holpriger Feldweg führt uns halb um einen kleineren See an den Ausläufern der masurischen Seenplatte herum und endet an einer kleinen Wiese direkt am See. Pünktlich zur Mittagszeit beziehen wir unser Nachtlager. Eigentlich wird empfohlen, tagsüber nicht an derselben Stelle zu stehen, wie nachts, um nicht zu viel Aufsehen zu erregen. Hier sind allerdings nur lokale Angler unterwegs und wir fühlen uns wohl. Den Tipp werden wir ein anderes Mal beherzigen. Wir kochen unsere Pirogi mit Brokkoli und Kohlblättern und trinken unser erstes polnisches Bier. Wir sind da. 





Josefine ♥

+ Unsere Tipps

Landvergnügen Reiseführer

Über die Plakette, die mit dem Landvergnügen Führer kommt, kann man fast 700 Höfe und Orte in Deutschland anfahren. Bisher haben wir sehr gut Erfahrungen damit gemacht.


park4night App

Mit der park4night App finden wir Stellplätze, die schon von anderen genutzt und bewertet wurden. Gut, wenn man unterwegs schnell einen Platz für die Nacht finden möchte.

Fotos © Stefan Weichand