Landvergnügen: Teufelszunge und Wolfsblut

Wir verlassen den Spreewald und machen uns auf den Weg in Richtung Würzburg. Bevor wir in zwei Wochen wieder nach Norden fahren, um das Baltikum zu bereisen, wollen wir unsere Familien und vor allem unsere Großeltern noch einmal besuchen. In unserem Landvergnügen Reiseführer finden wir einen Naturhof in Lengenfeld im nördlichen Vogtland. Gegen Mittag halten wir in Dresden, um bei einem geeisten Americano und einem Stück Kuchen zu arbeiten. Das Café Oswaldz liegt zentral in der Neustadt und lädt mit entspannter Atmosphäre und gutem Kaffee zum Verweilen ein. Nach der Ruhe und Landluft der letzten Tage hält es uns nicht lange in Dresden und wir sind froh, als wir am frühen Abend einem gewundenen Feldweg auf einen Hügel folgen und bei unserem nächsten Hof ankommen. 

Idylle auf dem Naturhof

Auf dem Naturhof Friedrich & Kölbel steht noch ein weiteres Pärchen mit ihrem Camper und Hofhund Bruno begrüßt und begleitet uns zu Herr Friedrich, Mitinhaber des Hofes. Der kleine familiengeführte Gemüse- und Obstanbaubetrieb fokussiert sich auf alte Sorten, die nach alter Tradition angebaut werden. Es gibt Gänse, Schafe und Hühner, deren Rassen sehr selten geworden und inzwischen vom Aussterben bedroht sind. Die beiden Kaltblutpferde, die gemütlich auf ihrer Weide grasen, kommen bei der Feldarbeit zum Einsatz und überall liegen Gerätschaften herum, die schon fast in Vergessenheit geraten sind. Der wunderbare Garten weckt in Stefan Kindheitserinnerungen an den Garten seiner Oma.

Die jungen Gänse in ihrem bräunlichen Federkleid schaffen es, immer wieder durch die großen Maschen des Zauns zu schlüpfen und versinken auf ihrer Erkundungstour im saftigen Gras. Als ich mich vorsichtig anpirsche, flüchten sie schnell durch die Maschen zurück in ihr Gehege, wobei ein Gänschen sich verfängt. Ich befreie es und schnatternd läuft es seinen Geschwistern hinterher, die sich bereits auf den Weg gemacht haben, auf der anderen Seite wieder durch die Maschen zu entkommen. Das Gras ist auf der anderen Seite scheinbar doch grüner.

Nudeln mit Tomatensoße

Frisches Gemüse wird erst am nächsten Morgen wieder geerntet und so gibt es zum Abendessen das klassischste aller Camper Essen: Nudeln mit Tomatensoße. Für diesen Anlass öffnen wir sogar eine Flasche guten pfälzischen Rotwein vom Weingut Schwedhelm und sind rundherum zufrieden. Während wir auf dem Bett liegen und Backgammon spielen, geht die Sonne langsam unter und taucht die Hügel und Felder erst in ein zitronengelbes und dann in ein bläuliches Licht. Einige Wolken stehen am Himmel und ein Gewitter kommt auf.

Gewitter im Bus zu erleben ist etwas ganz Besonderes. Dank unserer Panorama Fenster können wir beobachten, wie sich das Gewitter bewegt und zwischen unseren Daunendecken ist es trotzdem kuschlig warm und geschützt. Einige unserer Fenster lassen sich so aufklappen, dass der Regen nicht in den Bus rein laufen kann und so können wir die kühle Luft einatmen. Ich schweife ab, denn diesmal hätten wir uns zwar nach der Hitze und Schwüle der letzten Tage sehr über ein Gewitter gefreut, haben es letztendlich aber nur aus der Ferne beobachtet. Und auch das war spektakulär. Von unserem Aussichtspunkt hoch oben auf dem Hügel sehen wir, wie die Wolken sich im Tal grau, dunkel und dicht auftürmen. Immer wieder zucken Blitze durch die Wolken und wir sind fasziniert von diesem Anblick. 

Frisches aus dem Garten

Am nächsten Morgen ist es noch etwas frisch, als wir aufstehen. Frau Friedrich steht bereits im Garten und erntet frische Karotten, Radieschen und Salat und bereitet die Kisten für die Abo-Kunden vor. Vor einigen Jahren wurden Kunden im Umkreis von 10 km beliefert und es gab einen Hofladen im Ort. Mittlerweile kommt der harte Kern zum Hof und wenn die Zufahrt im Winter zugeschneit und zu glatt ist, wird auch mal das Haus der Familie Friedrich im Ort zum Hofladen umfunktioniert. Wir dürfen knackige kleine Möhren und scharfe erfrischende Radieschen probieren und während Frau Friedrich vom Geschmack fast ein wenig enttäuscht ist und uns von den anhaltenden Grundwasserproblemen erzählt, sind die Radieschen die besten, die wir seit langer langer Zeit gegessen haben. Wir laufen gemeinsam durch das kleine Gewächshaus, suchen uns Kohlrabi, Zwiebeln und Kräuter aus. Draußen bekommen wir die verschiedenen Salatsorten erklärt und entscheiden uns schließlich für Teufelszunge, Wolfsblut und eine weitere, deren Namen wir leider vergessen haben.

Wieder können wir nur von unserer Erfahrung mit dem Landvergnügen Führer schwärmen. Wir wurden mit offenen Armen empfangen, hatten tolle Gespräche und Einblicke in das Hofleben. Das ein oder andere Gemüse, das als unverkäuflich aussortiert wurde, hat es sogar kostenlos in unseren Korb geschafft. Für 12 Euro haben wir eingekauft, ein unschlagbarer Preis für Produkte, die kaum frischer sein könnten.

Kohlrabi als Delikatesse

Wir machen uns auf den Weg nach Kulmbach, um meine alte Freundin Sabrina, aus dem Studium zu besuchen. Unterwegs können wir es nicht mehr abwarten den Salat mit den tollen, altertümlichen und fast schon magischen Namen zu probieren. Wir halten auf einem kleinen Parkplatz an der Autobahn. Was für ein Luxus, dass unser Zuhause rollt und alles gleich griffbereit ist. Eine ganz besondere Leckerei sind die Kohlrabi Blätter. Dass sie essbar sind, habe ich von einer meiner besten Freundinnen gelernt. In Brasilien werden sie traditionell zu Feijoada gereicht. Einem Eintopf aus schwarzen Bohnen, klassisch mit Fleisch. Unsere Blätter braten wir mit den frischen Karöttchen, ein wenig Olivenöl und Salz in der Pfanne an. Aus Mangel an einer Salatschüssel machen wir den Salat in der noch warmen Pfanne an und verteilen die Kohlrabi Blätter darauf. Leicht angewärmt kommt der nussige und kräftige Geschmack der alten Sorten noch besser zur Geltung. Wir freuen uns, dass es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, alte Gemüsesorten wieder anzubauen, uns wäre sonst eine richtige Delikatesse entgangen. 

In einem Dorf etwas außerhalb von Kulmbach werden wir von unseren Freunden mit einem erfrischenden Gin Tonic empfangen, der uns fast ein wenig aus den Latschen haut, speisen wie die Königinnen und Könige in einem Bayreuther Brauhaus und lauschen vom Balkon aus dem schiefen, jedoch inbrünstigen Gesang einer Band, die in dieser lauen Nacht die Sommersonnenwende einläutet. Als wir auf unserem Parkplatz auf dem Dorfplatz ins Bett fallen, ist es bereits 1 Uhr nachts. In weiser Voraussicht haben wir das Bett schon vorher gemacht und schlafen, dank leichtem Schwips sofort ein. 



Josefine ♥

+ Unsere Tipps

Oswaldz

Bautznerstraße 9

01099 Dresden

Kaffeezubereitung, welche die Ursprünge der Bohnen und deren ausgewogene Röstung feiert und respektiert. Raum für Kreativität und Offenheit, Neugier und Abenteuer, Entdeckung und Lebenslust.


Weingut Schwedhelm

Jahnstraße 24

67483 Edesheim

Pfalz

Vom klassischen Riesling bis zu kräftigen, holzgeprägten Rotweinen.


Naturhof Friedrich & Kölbel

Weststraße 51

08485 Lengenfeld

Nördliches Vogtland

Familiengeführter Naturhof mit alten Gemüsesorten und seltenen Geflügel- und Schafrassen, inmitten sanfter Hügel und Felder.


Landvergnügen Reiseführer

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Fotos © Stefan Weichand