Kochen im Van: Ein Rezept

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Van-Rezept der anderen Art

Über unser Fragefeld auf der Homepage hat uns schon vor einiger Zeit der Wunsch erreicht, ob wir nicht mal ein einfaches Kochrezept für das Leben im Van teilen könnten. Wir haben uns sehr über diesen Wunsch gefreut, weil wir gutes Essen und kochen lieben. Lange haben wir hin und her überlegt, welches Rezept wir teilen könnten und sind irgendwann zum dem Schluss gekommen, ein Rezept der etwas anderen Art zu teilen, von dem wir hoffen, dass es dich inspiriert. 

Wenn du als leidenschaftliche*r (Hobby-)Koch*Köchin für deine Kochkünste bekannt bist, kannst du den nächsten Teil gerne überspringen und direkt schauen, ob wir dir mit unseren Tipps vielleicht eine neue Perspektive eröffnen können. Wenn du eher für die Behauptung bekannt bist, nicht gut kochen zu können, solltest du in jedem Fall weiterlesen. 


Der Koch-Muskel

Mit dem Kochen ist es, wie mit vielen anderen Dingen im Leben, wie mit einem Muskel, der immer stärker und routinierter wird, desto öfter man ihn benutzt. Für einige ist Kochen vielleicht ein alltägliches Mittel zum Zweck, um den Hunger zu stillen. Für andere wiederum ist es vom Einkauf bis zum fertigen Gericht ein Event. Für uns ist Kochen eine Leidenschaft, die uns im Van ganz besonders viel Spaß macht, weil sie uns immer wieder zu Achtsamkeit und Kreativität herausfordert. Es gilt herauszufinden, was für dich funktioniert und dir guttut. Kochen kann ein meditativer Prozess sein, der uns nicht nur mit den Menschen verbindet, mit denen wir kochen und essen, sondern uns auch mit uns selbst, mit anderen Ländern und Kulturen und den Produkten verbindet, mit denen wir arbeiten. 

Wir haben lange über diesen Artikel nachgedacht, weil wir selber nicht nach Rezepten kochen und Kochbücher höchstens der Inspiration dienen. Deshalb möchten wir hier ein Rezept zum Kochen mit dir teilen und dich ermutigen, selbst kreativ zu werden und mit Produkten, Texturen und Geschmäckern zu spielen. 


1. Kochen fängt im Bauch an

Es gibt eine schier unendliche Auswahl an Rezepten, Gerichten und Zutaten, die es uns manchmal schwer machen, uns zu entscheiden. Während wir durch Europa reisen, entdecken und probieren wir immer wieder neue Dinge und lassen uns verzaubern. Das Kochen beginnt schon bevor wir überhaupt in der Küche stehen. Es beginnt mit Hunger, Appetit oder vielleicht dem Wunsch, etwas Besonderes für die Liebste*den Liebsten zuzubereiten und damit ein bestimmtes Gefühl hervorzurufen. Wir kochen, um uns etwas Gutes zu tun oder weil essen uns beruhigt und wohlfühlen lässt. Je nachdem aus welchem Grund wir kochen, wird die Auswahl der möglichen Kreationen kleiner. Raus aus dem Kopf, rein in den Bauch. Schon im ersten Schritt ist es wichtig, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Denn wenn wir schonmal dabei sind, wollen wir gleich die Gelegenheit nutzen, unserem Bauch, der sonst womöglich sogar eher beschimpft wird, weil er zu dick, zu voll oder zu aufgebläht ist, eine wertschätzendere Rolle zu geben. Unser Körper ist ein feinjustierter Organismus, der ununterbrochen mit uns kommuniziert. Kochen fängt im Bauch an. Worauf hast du heute Lust? Wonach sehnt sich dein Körper?


2. Die Produkte

Wir haben selten eine Idee davon, was wir kochen wollen und lassen uns lieber inspirieren. Das soll dich nicht davon abhalten, mit Rezept zu kochen, vielleicht möchtest du unseren Ansatz trotzdem mal ausprobieren. Ob du auf dem Markt einkaufst oder im Supermarkt, nimm dir Zeit und gehe nicht hungrig einkaufen, um nicht nach Appetit einzukaufen. Lass dich von deiner Intuition und deinem Körper leiten. Verschiedene Farben, Texturen und Gerüche senden Signale an unseren Körper. Wenn es dich zu den Kartoffeln zieht, geht es vielleicht um Erdung und Stabilität. Salat ist leicht und wirkt kühlend, wenn in dir gerade das Feuer brodelt. Lass dich auf Neues ein und vor allem lass dich auf deine eigenen Instinkte ein. 

Ein Essen muss auch nicht wahnsinnig komplex sein, um aufregend zu sein. Desto besser die Produkte, desto weniger braucht es meistens. In Litauen haben wir am Straßenrand frische Pfifferlinge gekauft und sie mit ganzen Kartoffeln angebraten. Das Ergebnis hat zu einem Orgasmus der Geschmacksknospen geführt. 

3. Wertschätzung

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Das die Produkte regional und saisonal sind und ökologisch angebaut werden, ist uns besonders wichtig. Geld, Verfügbarkeit und andere Gründe machen es uns nicht immer möglich, auf diese Kriterien zu achten. Vanlife lässt uns kreativ werden, denn nicht überall bekommen wir die Produkte, die in Berlin zur Standard Ausrüstung gehören. Das sollte dem Kochen aber nicht im Wege stehen. Gerade wenn wir keine Produkte bekommen, die unseren Ansprüchen entsprechen und wir Abstriche machen müssen, ist es für uns wichtig, unsere Zutaten mit Wertschätzung zu behandeln. Tatsächlich belegen Studien, dass die Fähigkeit unseres Körpers, Nährstoffe und Vitamine aufzunehmen, damit zusammen hängt, wie wir essen. Achtsames essen hilft dem Körper besser zu verdauen und Nährstoffe zu absorbieren. Die Verdauung beginnt bereits im Mund und desto besser wir kauen, desto mehr erleichtern wir unserem Darm seine Arbeit. Stress, Ablenkung und andere negative Emotionen erschweren den Prozess. Es macht also einen großen Unterschied, ob wir schnell nebenbei Essen oder ob wir uns die Zeit nehmen, unser Essen zu genießen und ihm unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen.  

4. Die Vorbereitung

Kochen macht keinen Spaß, wenn die Küche unordentlich ist, die Messer stumpf sind und du nichts finden kannst. Unsere Vanküche ist klein, aber fein. Wir haben festgestellt, dass wir kreativer sind, wenn die Küche minimalistisch eingerichtet ist. Das A und O sind scharfe Messer, ein Schneidebrett, Holzkochlöffel, eine gute beschichtete Pfanne und ein Topf. Mit diesen Basics macht das Kochen auf kleinem Raum im Van Spaß. Was wir noch so in unserer Mini-Küche haben, stellen wir dir in einem anderen Beitrag vor. Bevor du beginnst, räum deine Küche auf, mach dir deine Lieblingsmusik an, leg dir eventuell dein Rezept und die Zutaten bereit und schalte einfach mal dein Handy ab. 

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5. Grundregeln

Wir sind keine Meisterköche und sprechen hier nur aus unserer eigenen Erfahrung. Über die Jahre haben wir uns immer wieder an einige Grundregeln gehalten, die aus jedem noch so einfachen Gericht einen Gaumenschmaus machen können. 

Kombinationen

Ein Gericht hat immer verschiedene Komponenten. Mein Lieblingsbeispiel ist der Schokoriegel Snickers. Wir möchten hier nicht für Snickers werben, sondern lediglich eine kleine Fallstudie aufstellen, warum Snickers so vielen Menschen schmeckt und so erfolgreich ist. Snickers hat das, was die meisten Menschen sich von einem guten Snack wünschen. Der Riegel verbindet die schmelzend süße Schokoschicht, mit knackigen Nüssen und der klebrigen Cremigkeit des Karamells. 

Daran denke ich oft, wenn ich koche. Ich kombiniere verschiedene Geschmäcker und Texturen, um ein ausgewogenes und vielleicht auch überraschendes Geschmackserlebnis zu schaffen. Dazu braucht es ein bisschen Übung und Mut. Oft sind wir überrascht, wie gut die unterschiedlichsten Zutaten harmonieren. 

Timing

Stefan sagt dazu “Die besten Produkte nützen nichts, wenn das Timing nicht stimmt.” und er hat Recht. Wir kochen nach der Grundregeln “Einfach mal vergessen”. Man kann einem leckeren Gericht ganz schnell das Genick brechen, wenn man nicht die nötige Geduld aufbringt, dass sich der Geschmack voll entfalten kann und sich zum Beispiel Röstaromen bilden. Wir plädieren hier nicht für eine pechschwarze Kruste oder verkochte Nudeln, lediglich dafür, ein bisschen länger zu warten, als man eigentlich gerne würde. Wir nutzen die Zeit oft, um eine Runde Backgammon zu zocken, wenn der Esstische schonmal eingehängt ist.

Gewürze

Die passenden Gewürze geben dem Essen den letzten Feinschliff. Currypaste braten wir immer zu erst in ein wenig Öl bei kleiner Hitze an, damit sich die verschiedenen Aromen entfalten können. Salz hebt Süße hervor, Fett ist Geschmacksträger und sollte trotzdem in Maßen genutzt werden und ein bisschen Süße tut fast jedem Gericht gut. Mit frischen Kräutern kannst du wenig falsch machen und pfeffern am besten zum Schluss, damit der empfindliche Pfeffer nicht verbrennt. Gerade Zucchini, Aubergine und Pilze sind dankbar, wenn man sie erst ohne Öl anbrät und das Öl erst am Schluss dazu gibt. Dadurch verhinderst du, dass sich das Gemüse stellenweise mit Öl vollsaugt. Wir kochen je nach Gericht mit Olivenöl, Ghee oder Kokosöl.

Das Essen

Nimm dir Zeit, mach es dir gemütlich, räum die Küche zumindest halbwegs auf. Das gilt besonders für alle Vanlifer, die die Tür zur Küche nicht zumachen können. Kurz: Schaff die richtige Atmosphäre, die sowohl das Essen, als auch deine Arbeit wertschätzt. Bevor wir mit dem Essen beginnen, schließen wir kurz die Augen und sind dankbar für das leckere Essen, das uns nährt. Essen ist neben atmen und schlafen, eine unserer wichtigsten Handlungen, um den hochkomplexen Organismus, den unser Körper bildet, am Leben zu halten. So sollten wir es auch behandeln, denn auch wenn unsere Körper noch so robust sind, werden sie früher oder später anfangen, uns auf Defizite aufmerksam zu machen. 

Einige Ideen

Wenn du jetzt immer noch ein großes Fragezeichen auf der Stirn hast und nicht weißt, wo du anfangen sollst, versuch es doch mal mit Zucchini Nudeln und Tomatensoße. Schnell und simpel. Wir benutzen den Gefu Spiralschneider und Tomatensoße ist wohl der Klassiker, bei dem man wenig falsch machen und auch mal kreativ werden kann. Im Asia Markt gibt es Currypaste in kleinen Eimerchen, ein Löffel rote Paste mit etwas Honig und Tomatenmark anbraten, Gemüse deiner Wahl dazu, eine Dose Kokosmilch und Sojasoße rein gießen, köcheln lassen, abschmecken. Auch Bratkartoffeln eignen sich. Am besten erst vorkochen, dann in ungleichmäßige Stücke schneiden und viel Geduld haben und wenn du denkst, du hattest schon genug Geduld, dann denke an Stefans Rat und halte es noch ein bisschen länger aus.  

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Viel Spaß beim Kochen, wir freuen uns auf Bilder! Und immer dran denken, Not macht erfinderisch ;)


Josefine & Stefan ♥






Fotos © Stefan Weichand