Embodiment: Was bedeutet das eigentlich?

Schon als ich parallel zu meiner Life Coach Ausbildung meine Anusara Yoga Ausbildung abgeschlossen habe, wusste ich, dass ich die Arbeit mit dem Körper durch Yoga eng mit Coaching Methoden und Ansätzen verknüpfen will. Es war eine logische Konsequenz aus meiner persönlichen Erfahrung mit Körperübungen und Coaching. Der Begriff “Embodiment” begegnete mir ungefähr zur selben Zeit im beruflichen Kontext. Erst einige Zeit später begann ich diesen Begriff im Kontext meiner Coachings zu nutzen.

Als Embodiment Coach schaffe ich Bewusstsein für die Beziehung von Körper, Geist und Seele, um Menschen zu unterstützen, sich selbst in ihrem Leben frei zu entfalten.

Durch die persönliche Krise zu mehr Bewusstsein

Wie bei so vielen hat auch mein Weg zu mehr Bewusstsein mit einer persönlichen Krise begonnen. Ich hatte mein altes Leben inklusive Job und Partner in London zurück gelassen und war Hals über Kopf nach Berlin gezogen. Dort angekommen, hatte ich keinen Job und keinen Plan. Ich wusste nur, dass ich nicht mehr für Unternehmen arbeiten wollte, in denen ich weder kreativ noch selbstbestimmt arbeiten konnte. Ich wollte raus aus dem Hamsterrad und war auf der Suche nach einem alternativen Lebensentwurf. Alles wurde auf den Prüfstand gestellt: Wie ich lebe, wie ich liebe, wie ich arbeite…

“Jede Zelle meines Körpers ist glücklich”

Zu dieser Zeit entwickelte ich eine persönliche Strategie, um mich fröhlicher und glücklicher zu stimmen. Ich begann, zu singen und zu tanzen. Vielfältig war mein Repertoire nicht, aber es erfüllte seinen Zweck. Und während ich immer und immer wieder “Jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Zelle meines Körpers ist froh” trällerte, veränderte sich ganz langsam etwas in mir.

Ich wurde mutiger und offener, meine Körperhaltung veränderte sich und Menschen begannen meine Präsenz und meine Ausstrahlung zu kommentieren. Ich erlebte sozusagen am eigenen Leib die Verbindung und das Wechselspiel von Körper, Geist und Seele. Ich verkörperte eine neue, höhere Version von mir selbst. Eine junge Frau, die wusste was sie konnte, was sie wollte und wie sie es bekam. Und auch wenn zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung zeitweise eine abgrundtiefe Schlucht zu klaffen schien, fand im Innen wie im Außen eine Transformation statt.

Der Begriff “Embodiment”


Der Begriff “Embodiment” beschreibt das Wechselspiel von Körper, Geist und Seele und bedeutet übersetzt Verkörperung. Kurz gesagt: Was oder wen wir verkörpern, wirkt sich auf unsere Psyche, unsere Gedanken, unsere Ausstrahlung, unser Leben aus. Auch in der Neurobiologie hat das Konzept von Embodiment Einzug gehalten. Neurobiologen verstehen Gehirn und Körper als untrennbare Einheit. Sie stehen über Blutkreislauf, Nervenbahnen und sämtliche Zellen ständig in Verbindung. Signale werden vom Gehirn an den Körper gesendet und lösen dort Reaktionen aus. Andersherum sendet der Körper Informationen über die dort ablaufenden Prozesse an unser Gehirn und kann so unsere Reaktionen verändern.

Was weiß mein Körper eigentlich?

Die Frage danach was unser Körper eigentlich weiß und welche Hierarchie zwischen Körper, Geist und Seele herrscht, treibt besonders Philosophen schon seit Jahrhunderten um.

In der April/ Mai 2019 Ausgabe des Philosophie Magazins gab es ein spannendes Dossier zur Fragestellung “Was weiß mein Körper?”. Im Artikel “Das Fleisch ist wach” wurden die Meinungen wichtiger Philosophen aus verschiedenen Epochen gegenüber gestellt. Platon beispielsweise reduzierte den Körper auf ein Instrument der Verlockung, das unsere Aufmerksamkeit von unserem Seelenweg abzieht und stattdessen auf Nichtigkeiten lenkt. Immanuel Kant glaubte, es sei unsere Pflicht, den körperlichen Neigungen Grenzen zu setzen, um Freiheit zu erlangen. Arthur Schoppenhauer wiederum war überzeugt, dass sich “im Leib eine Macht zeigt, die sich unserer Kontrolle entzieht” und das diese Macht, dieser universelle Wille, alles durchwirkt. Er inspirierte mit seiner Ansicht auch Freud, der beschrieb, dass das Unbewusste sich am Leib manifestiert. Er war es auch, der auf dieser Basis die Psychoanalyse begründete und den Körper damit als Spiegel der Seele und des Unterbewusstseins verstand. Auch Friedrich Nietzsche vertrat eine interessante Haltung zur Fragestellung. Er sagte: “Hinter deinen Gedanken und Gefühlen, mein Bruder, steht ein mächtiger Gebieter, ein unbekannter Weiser - der heißt Selbst. In deinem Leibe wohnt er, dein Leib ist er. Es ist mehr Vernunft in deinem Leibe, als in deiner besten Weisheit.” Mit seiner Ansicht, dass “das Geistige nur die Zeichensprache des Leibes sei” revolutionierte er das kollektive Verständnis, das bis dahin geherrscht hatte und die Seele gegenüber dem Leib privilegierte. Nietzsche lauschte der Weisheit und Intelligenz seines Körpers.



Das eigene Selbst kennen lernen

Aber wer oder was ist dieses “Selbst” von dem Nietzsche spricht? Das ist wohl eine der größten Fragen unserer heutigen Zeit. Embodiment ist ein Weg, dieser Frage für sich nachzugehen. Die Intelligenz unseres Körpers ist eine Ablagerung von Schichten, die sich aus individuellen, kulturellen und evolutionären Erlebnissen und Ereignissen ableiten. Unser Körper wird so zu unserem persönlichen Lebenswerk, ein Spiegel unseres inneren Zustandes, unserer Seele und unserer Erfahrungen, sowohl individuell als auch kollektiv. Wenn wir diese Schichten abtragen, können wir uns von unserem Rucksack voller Altlasten befreien und ein Stück freier und unbeschwerter durch das Leben gehen.

Was wäre beispielsweise, wenn wir nicht gelernt hätten, Spinnen zu fürchten? Was wäre, wenn wir keine Angst davor hätten, verlassen zu werden? Was, wenn wir unsere Schutzmechanismen ablegen würden?

Erfahrungen, positive wie traumatische, werden in unseren Zellen abgespeichert und können so den Energiefluss blockieren, indem sie immer wieder die gleichen Signale an unserer Gehirn senden und damit die immer gleichen Reaktionen hervorrufen. Alleine unsere Darmzotten und die vier Kilo Mikroben, die dort Zuhause sind, besitzen mehr Intelligenz als unser Gehirn. Auch deshalb sprechen wir von einem “Bauchgefühl”. Unsere Haut ist unser größtes Organ und weist uns beispielsweise durch Allergien darauf hin, wenn etwas unerträglich wird. Und obwohl die weitläufige, wohl etwas romantisch angehauchte Meinung ist, dass unsere Gefühle an unser Herz gekoppelt sind, ist es in Wahrheit der Solar Plexus, der fühlt und unser Herz durch Botenstoffe höher schlagen lässt.

Indem wir die Kommunikation mit unserem Körper kultivieren, lernen wir uns selbst und unsere Gefühle kennen. Wir lernen vor allem Gefühle an verschiedenen Orten unseres Körpers wahrzunehmen und proaktiv mit ihnen umzugehen, statt uns von ihnen wegspülen zu lassen.

Was bedeutet also Embodiment Coaching?

Embodiment Coaching bedeutet, auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene zu arbeiten, um alle drei Bereiche in Einklang zu bringen und so das eigene Selbst in diesem Leben voll und ganz entfalten zu können, frei von individuellen, kulturellen oder evolutionären Traumata. Denn solange du hier sitzen kannst, um diesen Text zu lesen, bist du an deinen Körper gebunden. Man könnte es auch “Leibsein” nennen. Der Begriff “Körper” kommt aus der Naturwissenschaft und beschreibt sozusagen unser fleischliches Gefährt von Außen betrachtet. Der Körper, der trainiert oder verschönert werden kann. “Leib” hingegen meint das, was wir von unserer wahren Natur spüren oder fühlen. Genau dieses Spüren und Fühlen ist es, was uns heutzutage immer mehr abhanden zu kommen scheint. Für die meisten von uns sind Gefühle wie Glück, Liebe, Freiheit, Sicherheit und Gesundheit Ziele im Leben. Ziele, die allzu häufig schier unerreichbar scheinen. Doch vielleicht haben viele von uns schlicht verlernt oder nie gelernt, dass die Fähigkeit zu fühlen das ist, was Glück, Liebe und Freiheit erfahrbar macht.

Deshalb ist meine Mission, Menschen durch Coaching, Yoga und das Schreiben zu inspirieren und sie dabei zu unterstützen, sich im eigenen Leib wohl zu fühlen, seine Signale zu erkennen und die eigenen Gefühle als Quelle der Weisheit zu erkennen. Denn ich bin überzeugt, dass in dieser Verbundenheit und diesem Dialog mit dir selbst liegt die wahre Freiheit liegt: Du entscheidest, wie du dein Leben gestaltest.

Wenn du Lust bekommen hast, mehr zu erfahren oder mit mir zu arbeiten, melde dich gerne über unser Kontaktformular bei mir.



Josefine ♥





+ Zum Weiterlesen

Philosophie Magazin Nr. 3

“Was weiß mein Körper?”, Svenja Flaßpöhler, S.45 ff.

“Das Fleisch ist wach”, Inga Gittermann, Dominik Erhard, Svenja Flaßpöhler, S.48 ff.

“Das Zwerchfell besitzt rebellische Fähigkeiten”, Nils Markwardt, Alexander Kluge, S.58 f.

“Wie geht Leibsein, Herr Böhme?”, Svenja Flaßpöhler, Gernot Böhme, S.62 f.



Fotos © Stefan Weichand & The Nu Company



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