100 GB Datenvolumen für 5 Euro

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Litauens wilder Osten

Litauens wilder Osten empfängt uns mit Fichtenwäldern, weichen moosbedeckten Waldböden, wilden Blaubeersträuchern, Seen und Flüssen und freundlichen Menschen. Wir sind froh, dass die Straßenverhältnisse nicht ganz so schlimm sind, wie beschrieben. Ob es daran liegt, dass viele Straßen gerade ausgebessert werden oder an unserem Gefährt, das wir auch liebevoll den Wal nennen, wissen wir nicht. Die ein oder andere Staubpiste haben wir zwar schon hinter uns, doch bisher sind unwegsame Strecken ausgeblieben, auf denen wir uns um unseren Bus hätten Sorgen machen müssen.

Autofahren in Litauen

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Es gibt tatsächlich wenige Hauptverkehrsstraßen, Autobahnen gleichen eher Landstraßen und auch die Fahrweise der Einheimischen ist wie auf einigen Blogs beschrieben, eher rau. An das Tempolimit von 90 km/h außerorts und 50 km/h innerorts hält sich fast niemand, überholt wird auch vor unübersichtlichen Kurven und generell scheinen es die Litauer eilig zu haben. Wir können es ihnen nicht verdenken, viele Orte liegen abgeschieden und ein alltäglicher Einkauf zieht sich sehr in die Länge, wenn man 10 Minuten an einer Ampel steht, die den Verkehrsfluss innerhalb einer kilometerlangen Baustelle reguliert - doch wir haben Zeit.

Störche, unsere Begleiter

Etwas widerwillig, aber auch gespannt, verlassen wir unseren ersten idyllischen Stellplatz an einem See kurz hinter der polnischen Grenze. Wie immer fährt Stefan routiniert und besonnen und bringt uns sicher von A nach B. Wir sehen Hunderte von Störchen, die auch schon im Spreewald und in Polen unsere Reise begleitet haben. So viele Störche haben wir noch nie gesehen, sind aber auch nicht sicher, ob es nur daran liegt, dass wir die letzten Jahre Städter waren.

100 GB Datenvolumen

Wir suchen auf Google Maps einen Supermarkt auf der Strecke raus und stehen nach einer halben Stunde vor einem Maxima. In etwa das Äquivalent zum alten deutschen Rewe. Auf unserem MIFI Internet Device haben wir noch polnisches Internet und die Datenvolumen unserer Handys reichen für die Arbeit nicht aus. Wir sind auf der Suche nach einer litauischen SIM Karte mit ausreichend Datenvolumen und können unser Glück kaum fassen, als wir für 5 Euro 100 GB Datenvolumen erstehen. Das Paket gilt für eine Woche, kann aber angeblich über eine SMS auf einen Monat ausgeweitet werden. 

Da wir nur Datenvolumen gekauft haben, lassen sich SMS nicht versenden und wir schaffen es nicht, unser Datenpaket zu erweitern. Das macht weiter nichts, denn die SIM Karte lässt sich ganz einfach online laden und die Preise sind so günstig, dass Stefan fast Pipi in den Augen hat. In Deutschland war das schlechte Internet oft Anlass zur Frustration.

Frische Pfifferlinge

Der nächste Anlass zu Freudensprüngen bietet sich kurze Zeit später, als wir endlich eine Dame am Straßenrand entdecken, die aus ihrem Auto heraus frische Pfifferlinge, selbstgemachte Marmelade, Säfte, Honig und mehr verkauft. Wir halten an und decken uns ein. Unsere Frühstücksmarmelade für das Porridge ist schon eine Weile leer und wir freuen uns über ein großes Glas selbstgemachte Blaubeermarmelade.

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Pyramide von Merkine

Unser Ziel ist ein kostenloser Campingplatz im Nationalpark Dzūkija. Zum ersten Mal folgen wir einer Beschilderung zu einer Sehenswürdigkeit. Statt rechts Richtung Stellplatz abzubiegen, biegen wir links auf einen gewundenen Sandweg ab, der kurze Zeit später steil nach unten führt und in einem kleinen Tal endet. Dort erhebt sich eine riesige gläserne Kuppel in der sich die Pyramide von Merkine befindet. Ein spiritueller Ort, der der Meditation gewidmet ist und eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte hat. Ob man diese Geschichte nun glaubt oder nicht, der Ort hat eine besondere Energie. An der Quelle vor Ort füllen wir unseren Wassertank mit frischem Wasser, das so gut und erfrischend schmeckt, das wir gar nicht aufhören wollen, zu trinken.

Campen im Nationalpark Dzūkija

Auch der Campingplatz enttäuscht nicht. Auf dem Weg fahren wir durch wildromantische Dörfchen. Die Häuser sind offenbar traditionell aus Holzleisten und viele in bunten Farben gestrichen. Bei den älteren Häusern ist die Farbe verblasst und blättert ab, was auf uns nur noch charmanter wirkt. 

Im Dzūkija Nationalpark finden wir einen schönen Platz oberhalb des Flusses mit einem überdachten Picknickhäuschen und einer Feuerstelle. Nach unserem ersten erfolgreichen Feuer, machen wir uns voller Enthusiasmus auf die Suche nach Feuerholz. Das Holz ist auch hier feucht, eine Anzündhilfe haben wir nicht und vom vielen Pusten stehen Stefan die Tränen in den Augen. Stefan spült die erste Enttäuschung mit litauischem Bier runter und wir beginnen von vorne. Mit viel Geduld und sonnengetrocknetem Geäst schaffen wir es dann doch noch unser Feuer zu entfachen. 

Das große Glück


Für unser Abendessen reicht es nicht und so kochen wir unsere Kartoffeln und braten sie gemeinsam mit den Pfifferlingen in unserer Emailleschale. Das Ergebnis ist der Hammer, es braucht so wenig um glücklich zu sein!

Unser Tipp für ein ruhiges Wochenende

Das Gefühl für Tag und Uhrzeit ist uns schon längst wieder abhanden gekommen und so sind wir erst ein bisschen verwundert, als mehr und mehr Gruppen auf dem Campingplatz eintreffen. Viele nutzen diesen Platz als Nachtlager für Kanutouren und auch bei jungen Erwachsenen scheint er beliebt zu sein. Unser Tipp deshalb: solche Orte an Wochenenden lieber meiden, außer man möchte sich die zusammengewürfelte Playlists der Teens anhören, die einem teilweise die Haare zu Berge stehen lassen.

Plumpsklo vs. Kackspaten

Wir bleiben zwei Nächte. Stefan testet am ersten Morgen das Plumpsklo und ich entscheide mich nach seinem Erlebnisbericht lieber für den Kackspaten. Wir spazieren durch den Wald und haben das Gefühl, durch das Reich von Elfen, Gnomen und anderen fantastischen Wesen zu wandern. Das Moos ist so weich, dass es sich anfühlt wie ein Kissen und ständig weht uns der Duft von Fichten in die Nase. 

Viele Bäume laden dazu ein, die Hängematten aufzuspannen und wir feiern Litauen für das großartige Netz, das ein Traum jedes digitalen Nomaden ist.

Josefine & Stefan ♥

+ Unsere Tipps

Lokale SIM Karte

100 GB Datenvolumen, 5 Euro, Laufzeit: 1 Woche

Anbieter: Labas

Erhältlich in verschiedenen Supermärkten an der Kasse, z.B. Maxima, Rimi


Pyramide von Merkine

45RX+V8 Česukai

LT, 65342

Spiritueller Ort für Meditation, beeindruckende Kuppel, Möglichkeit Wasser aufzufüllen


Campingplatz Nationalpark Dzūkija

54.119801

24.3043

65344 Puvočiai

Schöner informeller Campingplatz kurz hinter einem wildromantischen Dorf direkt am Fluss. Möglichkeit für Kanutouren und zum Wandern. Plumpsklos, Feuerstellen und Picknickhütten vorhanden. Kleiner Spielplatz. Wir haben nichts gezahlt, teilweise wird angegeben, dass der Platz kostenpflichtig ist: 1.50 € pro Auto, 1 € pro Person



Fotos © Stefan Weichand