Umweltbewusstsein: Plastik

P1070408.jpg

Nicht erst seit gestern ist die Diskussion um Plastik aktuell. Plastik in Kosmetik, Plastiktüten, plastikverpacktes Essen, tote Meeressäuger, Fische und Vögel mit den Mägen voller Plastik, ganze “Plastikinseln” im Meer. Ganz nach dem Motto “Aus den Augen, aus dem Sinn” hat die Mehrheit unserer Gesellschaft leider nach wie vor wenig Bewusstsein dafür, was mit dem ganzen Müll passiert, der tagtäglich produziert wird. Wir möchten hier keine Böswilligkeit unterstellen oder verurteilen, vieles geschieht wohl aus Unwissenheit und fehlender Aufklärung. Uns selbst ist vor einigen Monaten schlagartig klar geworden, was der ganze Müll für unser Ökosystem und unsere Zukunft eigentlich bedeutet und wir wollten etwas in unserem Alltag verändern. 

Es gibt ein weises afrikanisches Sprichwort: “Viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.” Globale Themen geben mir häufig erstmal das Gefühl ohnmächtig und hilflos zu sein. Wie soll ich kleiner Mensch bei so großen Problemen eine Veränderung bewirken? 

Wir wollten trotzdem handeln und haben entschieden, wo immer möglich auf Plastik zu verzichten. Da wir normalerweise keine großen Anschaffungen haben, keine Kleider kaufen und im Moment nur selten Equipment für die Reise bestellen, betrifft der Verzicht vor allem unsere Lebensmittel. Und da haben wir erstmal ganz schön aus der Wäsche geguckt, was plötzlich alles nicht mehr den Weg in unseren Einkaufskorb findet. Von abgepacktem Gemüse bis zu Produkten aus der Kühltheke und Waschmitteln ist wirklich alles dabei. Was am Anfang ein bisschen frustrierend war, wurde schnell zum Alltagsabenteuer und hat unglaublich viel Bewusstsein mit sich gebracht. Wir haben nicht nur neue Hersteller mit alternativen Verpackungen entdeckt, sondern auch neue Rezepte entwickelt und achten viel mehr auf Regionalität und Saisonalität. Zum Türken und auf den Markt nehmen wir unsere eigenen Schalen mit und immer mal wieder führt das auch zu netten Gesprächen und lustigen Situation. Vielleicht hat aber auch die viele Schokolade, die wir aus Recherche-Gründen getestet haben, den Spaßfaktor erhöht.

Wie so viele, wollen wir “das Richtige” tun. Wir wollen Verantwortung übernehmen und unseren Teil zu einer neuen Welt beitragen. Doch bei dem Versuch, es “richtig” zu machen, müssen wir uns immer wieder daran erinnern, dass “richtig” Definitionssache ist und Perfektion eine Illusion. Bewusstsein zu schaffen und mit der Intention zu handeln, im höchsten Sinne aller Lebewesen und der Natur zu handeln, ist zweifelsfrei besser, als nicht zu handeln. Ich glaube, dass es dabei sehr wichtig ist, immer wieder die eigenen Beweggründe zu hinterfragen. Wenn wir uns selbst zum Gefangenen unserer eigenen moralischen Standards und Erwartungen machen, sind wir weder frei, noch tun wir zwangsläufig etwas Gutes. 

Mein Bruder schickt immer mal wieder tolle Artikel im Familienchat rum. So auch vor einigen Monaten einen Artikel darüber, dass vor allem die vermeintlich umweltbewussten Bio-Käufer besonders zur Umweltbelastung beitragen. Leider kann ich den Artikel nicht mehr finden, aber hier die Essenz: Mit dem Bildungsgrad steigt nicht nur die Kaufkraft, sondern auch die Möglichkeiten und der Wunsch oder die berufliche Verpflichtung, zu reisen. Ein Flug nach New York verursacht so viel CO2 Ausstoß, wie der Durchschnittsdeutsche in einem ganzen Jahr. Und Bio zum Beispiel bedeutet nicht gleich besser für die Umwelt. Herkömmliche Landwirtschaft und Bio-Landwirtschaft geben sich diesbezüglich nicht viel. 

Auch hier stellt sich als wieder die Frage nach der Balance und nach der eigenen Intention. Möchte ich nach meinen oder gesellschaftlichen Standards “richtig” handeln oder möchte ich aus Liebe zu mir selbst, anderen Lebewesen und Pflanzen heraus handeln?

Taten sagen mehr als tausend Worte. Sagt man. Und trotzdem müssen es nicht immer die ganz großen Taten sein. Es sind die kleinen Dinge, die wir tagtäglich tun, die unser Leben und die Welt verändern. Bewusstsein beginnt damit, dass wir die Dinge sehen, wie sie sind. Ein guter Start wäre also, sich zu informieren. Eine der wichtigsten Fragen beim Einkauf ist für mich auch: Bringt mir dieses Produkt Freude und nährt es mich auf allen Ebenen? Wir nutzen unsere eigenen Einkaufstüten und kaufen weitestgehend regional und saisonal. Wenn möglich gehen wir auf den Markt. 

Wir Menschen tun uns mit Veränderungen häufig etwas schwer. Wir mögen unsere Routinen, sie geben uns Sicherheit. Wenn sich etwas verändert, schalten wir meistens erstmal auf Angriff oder Abwehr. Dabei bringen Veränderungen auch immer Möglichkeiten und Potenzial mit sich. Statt uns über Einschränkungen zu ärgern und Probleme zu sehen, versuchen wir Herausforderungen anzunehmen und Möglichkeiten zu entdecken. Möglichkeiten für mehr Bewusstsein und damit für ein freieres und glücklicheres Leben. 

Wir wünschen uns, dass wir auch dich inspirieren können, Herausforderungen anzunehmen und damit Potenzial auszuschöpfen.

In Liebe,

Josefine