Minimalismus oder Raum für Neues schaffen

Noch sind wir in Berlin, mittlerweile leben wir zwischen Flohmarktkisten, Kleiderhaufen und Stapeln an Dingen, von denen wir uns noch trennen werden, bevor wir in unser Zuhause auf Rädern ziehen. Als ich vor einem knappen Jahr bei Stefan eingezogen bin, hatten wir leidenschaftliche Diskussionen darüber, von welchen Dingen sich der jeweils andere trennen könnte, um aus zwei Haushalten einen zu machen. Ich trenne mich schon seit Jahren regelmäßig von Besitztümern, mit jedem Umzug und jeder Veränderung ergibt sich eine neue Möglichkeit dazu. Und trotzdem finden sich immer wieder Dinge, die ich schon seit Jahren mit mir umziehe und dennoch nie nutze. Einiges hat emotionalen Wert. Bei Stefan ist es ähnlich, alles könnte ja doch noch einmal Verwendung finden. Als Musiker hängt er besonders an seinem Equipment. Aber auch er hat schnell festgestellt, wer einmal die Luft eines Raumes schnuppert, der nicht vollgestellt ist, möchte immer mehr gehen lassen.

Es ist als würde der physische Platz auch Platz in einem geistigen Raum schaffen. Mit jedem Objekt, das wir loslassen, lassen wir auch unser Attachment, die Anhaftung los. Wir atmen tiefer und freier und sehen plötzlich ganz neue Möglichkeiten und Potenziale.

Minimalismus bedeutet für uns nicht, nur noch drei Besitztümer zu haben und ohne Deko oder emotionale Gegenstände auszukommen. Die richtige Balance zu finden, ist uns wichtig. Trends und Methoden sollen für uns funktionieren, nicht wir für sie. Wenn sie nur zu einer weiteren Anhaftung werden, einer Erwartung an uns selbst oder einem Regelwerk, dem wir glauben, gerecht werden zu müssen, werfen wir keinen Ballast ab, sondern häufen neuen an.

Die Japanerin Marie Kondo ist mit ihrer Aufräum-Methode weltberühmt geworden, hat mittlerweile sogar eine eigene Netflix-Serie. Es scheint bei vielen Menschen der Bedarf da zu sein, Raum zu schaffen und sich von Anhaftungen und Altlasten zu trennen. Die Essenz ihrer Strategie ist es, sich die Frage zu stellen: Bringt mir dieses Objekt Freude? Dafür nimmt man das Objekt zum Herzen und spürt in sich hinein, statt die Frage mit dem Geist zu beantworten. Ist die Antwort “Ja”, darf es bleiben. Ist die Antwort “Nein”, bedankt man sich für die Dienste und lässt es gehen.

So habe ich es mit vielen meiner Dinge gemacht. Die Methode bringt Achtsamkeit und Qualität in eine so unliebsame Aufgabe wie Ausmisten und Aufräumen. Nur selten werfen wir etwas einfach weg, viele Dinge verschenken oder verkaufen wir. Einiges legen wir hier in unseren Hausflur, die Sachen sind meistens so schnell weg, dass wir schon die Vermutung haben, dass jemand eine Kamera installiert haben muss ;) Und mit jedem weiteren Objekt, dass ein neues Zuhause findet, steigt unsere Vorfreude auf unser neues Zuhause auf Rädern. Eine wunderbare neue Gelegenheit, Einfachheit in unser Leben zu bringen, Raum für Potenzial und Wachstum zu schaffen und uns mit Dingen zu umgeben, die uns mit Freude erfüllen.

Josefine ♥