Die Kunst ins kalte Wasser zu springen

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Wir dokumentieren unseren Einzug und unsere Leben auf Rädern, um zu zeigen, dass Träume zur Realität werden können, wenn man ihnen Raum gibt, an sie glaubt und nach ihnen handelt. Wir wollen eine Alternative aufzeigen und Mut machen, anders zu denken und vor allem auch mal gar nicht zu denken und stattdessen zu fühlen. Schon Antoine de Saint-Exupéry hat in seinem wunderbaren Buch „Der kleine Prinz“ dem Prinzen die Weisheit mitgegeben, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, denn das Wesentlich bleibt für die Augen unsichtbar. Für uns heißt das, um herauszufinden, was das Leben lebenswert macht, gilt es, die Augen zu schließen und dem Herzen zu folgen.

Trotzdem ist es nicht unsere Intention, diese Art von Leben zu romantisieren, wir wollen es so darstellen und wiedergeben, wie wir es erleben. Wir lernen immer wieder, dass der Schlüssel zum Erfolg vor allem darin liegt, trotz Ängsten und Zweifeln, nach dem Herzen zu handeln. Wenn Körper, Geist und Seele in Einklang sind, lebt sich das Leben viel einfacher. Es fließt durch uns hindurch. 

In den letzten Monaten sind wir häufig an unsere eigenen Grenzen gestoßen. Wir haben gestritten, wir haben gezweifelt und wir haben geweint. Sicherheit, vor allem finanzielle Sicherheit, und gängige Konventionen versus Alternativen waren immer und immer wieder Thema. Gesellschaft, Umfeld und Erfahrungen erzeugen Glaubenssätze, die unserem Ego suggerieren, was sicher und was unsicher ist. Sobald diese vermeintliche Sicherheit gefährdet ist, fühlt sich auch das Ego gefährdet und fängt an, nach alten Mustern zu handeln. Ohnmacht, Wut, Ärger, Verzweiflung. Mit aller Macht versucht es sich zu schützen. Alte Verhaltensmuster führen allerdings auch zu altbekannten Ergebnissen. Wer Erdbeeren auf einen Kuchenboden verteilt, kann nicht erwarten, dass daraus eine Sahnetorte wird. Wenn wir uns nach neuen Ergebnissen und vor allem neuen Erfahrungen sehnen, müssen wir lernen, neu zu denken und neu zu handeln. Unser Gehirn sozusagen neu verdrahten. Mir kommt dabei die Analogie zum Sprung ins kalte Wasser. Um wirklich zu wissen, wie kalt und erfrischend das Wasser ist, müssen wir den Mut finden, zu springen. Es reicht nicht, nur versuchsweise den großen Zeh einzutauchen. Das kann extrem beängstigend sein. Tausend Fragen gehen einem dabei vielleicht durch den Kopf: Wie kalt wird es sein? Wie tief? Wie groß der Schmerz? Wenn du schon jemals in einen eiskalten See gesprungen bist oder die Dusche mutig und ruckartig auf eiskalt gestellt hast, weißt du, der erste Schock und die Kälte rauben einem fast die Luft zum Atmen. Doch das Gefühl von Lebendigkeit danach überwiegt jeden anfänglichen Schmerz. Wir haben es zwar noch nicht geschafft, eine Routine zu finden, sind aber inspiriert von der Eismethode von Wim Hof. Atemübungen in Kombination mit extremer Kälte verleihen mir das Gefühl eine echte Kriegerin zu sein. Einfach mal googeln und ausprobieren, Wim Hof ist eine faszinierende Persönlichkeit.

Manchmal ist es ein langer Prozess, den Absprung zu schaffen. Die letzten Monate haben wir den großen Zeh solange ins Wasser gehalten haben, bis es angenehm wurde. So angenehm, dass wir fast vergessen haben, dass wir eigentlich springen wollten. Wir haben unser Leben erträumt, aber an unseren Jobs und damit an unserem Wunsch nach Sicherheit festgehalten haben, bis wir irgendwann in einer Sackgasse waren. Wir waren frustriert und blockiert. Die Herausforderung ist, wenn man erstmal blockiert ist und das Leben nicht fließen kann, fliest plötzlich gar nichts mehr. Dann wird die Angst immer größer und der Absprung immer schwieriger. Am besten tunkt man also gar nicht erst den großen Zeh rein, sondern rennt gleich voll Karacho los und macht einen Kopfsprung. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Gerade befinden wir uns mitten im Sprung. Wir haben uns entschieden, zu vertrauen, Potenzial zu sehen, ein offenes Herz zu haben und mutig zu sein. Wir genießen die Aussicht und den Adrenalin-Schub und aus Erfahrung wissen wir, dass wir unversehrt landen werden. Und siehe da, plötzlich fließt das Leben wieder, Geld kommt aus unerwarteten Quellen und Möglichkeiten tun sich auf. Wir haben wieder Zugang zu unserer Kreativität gefunden und es beflügelt mich, nun diesen Text zu schreiben, in der Hoffnung, dass er dich zu einem Zeitpunkt erreicht, wenn du eine Portion Mut und Vertrauen gut gebrauchen kannst.

Liebe,

Josefine